Augmented Reality Gadgets im Test: Virtuali-Tee, Zapbox, Aryzon, Quiver

Für unseren Schulaktionstags „Reise durch die Mediengalaxie„, die mein Verein Metaversa e.V. seit 2011 durchführt, haben wir im letzten Jahr u.a. die Aktionsbasis „AR-Labor“ neu entwickelt. Die Familienteams haben beim Spielparcours am Nachmittag die Möglichkeit, verschiedene Augmented-Reality-Anwendungen auszuprobieren und sich so ein Bild von den Chancen zu machen, die der Einsatz von AR in der Schule bietet.

Bei der Auswahl der Anwendungen habe ich Wert darauf gelegt, dass nicht nur Apps ausprobiert werden, sondern dass es eine Kombination mit „physischen Dingen“ gibt. Dazu gehört u.a., dass vor der Nutzung der App „Quiver“ zunächst Malvorlagen ausgemalt werden können, die dann als 3D-Modell im AR-Modus sichtbar werden. Bei der Zapbox und dem Aryzon Headset sind es AR-Brillen, die zum Einsatz kommen. Und das Virtuali-Tee Shirt von Curiscope dient als Marker für die gleichnamige App, mit der man einen Einblick in den menschlichen Körper gewinnt.

Quiver

Quiver gibt es schon etwas länger und ich habe es oft eingesetzt, um in Vorträgen und Workshops die Funktionalität von AR zu verdeutlichen. Für den Unterricht sind nur wenige Beispiele in der App geeignet: der Aufbau eines Vulkans oder das Modell einer Zelle, die dafür im Gegensatz zu den meisten Malvorlagen, interaktiv sind und ein kleines Wissensquiz beinhalten. Für Kinder ist zumindest kurzfristig eine gewisse Faszination vorhanden, wenn sie sehen, wie die ausgemalten Vorlagen dreidimensional in der physischen Welt sichtbar werden. Trotz der relativ simplen Anwendung mussten wir allerdings feststellen, dass die Rechenleistung älterer Handys nicht ausreichte, um ein flüssiges Livebild zu erzeugen.

Fazit: Geeignet als Einstieg in Augmented Reality, ansonsten eher eine kleine Spielerei. Dafür kostenlos.

Quiver

Virtuali-Tee

Viele AR-Anwendungen nutzen für die Positionierung digitaler Informationen Marker. Diese Marker können selber bestimmt werden, wie z.B. bei HP Reveal oder sind vorgegeben wie bei Quiver. Für die App Virtuali-Tee wird ein Marker genutzt, der auf ein Shirt gedruckt wurde. Das macht Sinn, denn gezeigt wird ein Einblick in den menschlichen Körper, wahlweise die Organe, Blutkreislauf oder die Knochen. Das ist so gut gemacht, dass einige Kinder in unserem Projekt direkt glaubten, sie hätten eine Röntgen-App.

Die App bietet zudem noch einige zusätzliche Spielereien, wie einen Pulsmesser. Das Shirt lässt sich in verschiedenen Größen für €27,99 bei Curiscope bestellen.

Fazit: Zwar sehr beschränkt in den Einsatzmöglichkeiten, aber ein guter Ersatz für das antiquarische Skelett im NaWi-Raum.

Virtuali-tee Shirt und App

Zapbox

Die Zapbox kommt von Zappar, einer Firma die bereits schon länger eine AR-App und Plattform mit dem ZapWorks Studio und ZapWorks Designer anbietet, um eigene AR-Anwendungen zu erstellen. Was die Google Cardboard für VR ist, ist die Zapbox für AR: eine sehr günstige Brille aus Karton, in die ein Smartphone eingesetzt wird, um über eine entsprechende App ein AR-Erlebnis zu ermöglichen. Das funktioniert nach dem „video-seethrough“ Prinzip. Die Kamera des Smartphones zeigt das Livebild, in das digitale Objekte eingeblendet werden. Vorher müssen allerdings noch verschiedene Marker ausgelegt und konfiguriert werden. Das ist etwas umständlich, funktioniert dafür aber sehr gut, auch mit Smartphones oder Tablets die nicht über AR Core oder AR Kit verfügen.

Der besondere Clou an der Zapbox ist, dass auch zwei Controller mitgeliefert werden, ebenfalls aus Pappe und mit Markern bedruckt, so dass sie von der App erkannt werden. Mit den Controllern lassen sich die sechs kleinen Spiele und Beispielanwendungen steuern, die in die App integriert sind, u.a. ein Aquarium mit Haifisch und Schildkröte, ein Xylophone und ein Minigolfspiel. Leider war es das damit auch schon, eigene AR-Inhalte lassen sich mit der AR-Brille nicht betrachten. Die Zapbox kostet $30 über BackerKit.

Fazit: Die Einrichtung mit Markern dauert etwas, danach aber funktionieren die Brille und die Controller ziemlich gut. Bedauerlich ist die Beschränkung auf die sechs Beispielanwendungen. Die „video-seethrough“-Technik sorgt dafür, dass die digitalen 3D-Objekte zwar deutlich zu sehen sind, die physikalische Umgebung trotz Stereobild im Headset nur zweidimensional ist (denn das Smartphone nutzt dafür ja nur eine Kamera).

Inhalt der Zapbox: AR-Brille, Marker und zwei Controller
Zapbox Anwendung: „Mission Mars“ mit Controlpanel, das durch die Controller aktiviert wird

Aryzon Headset

Im Gegensatz zur Zapbox funktioniert das Headset nach dem „optical-seethrough“-Prinzip, d.h. mit Hilfe eines halbdurchlässigen Spiegels. Die Kamera des Smartphone wird nicht benötigt, auf dem Display ist nur das AR-Objekt vor schwarzem Hintergrund zu sehen. Die Aryzon App kommt ohne Marker aus, benötigt dafür aber ein aktuelles Smartphone mit AR Core (Android) oder AR Kit (iOS). Zudem muss die Brille zu Beginn sehr aufwändig kalibriert werden.

Bei der Auswahl der 3D-Objekte greift die App auf die Plattformen Sketchfab und Poly zurück. Damit ist es möglich, unter tausenden Objekten zu wählen und auch eigene 3D-Objekte zu betrachten. Leider friert die App bei mir öfter bei Objekten mit sehr vielen Polygonen ein.

Bedingt durch das „optical-seethrough“-Prinzip ist die Qualität des Bildes sehr stark abhängig von den Lichtverhältnissen. Der Raum sollte nicht zu hell sein. Dunkle Objekte oder Flächen im 3D-Modell sind durchscheinend und praktisch kaum darstellbar. Dafür ist im Unterschied zur Zapbox auch die Umgebung stereoskopisch sichtbar.

Fazit: Vom Aryzon Headset hätte ich mir zumindest vom AR-Erlebnis mehr erhofft, aber die Technik mit dem halbdurchlässigen Spiegel zeigt deutlich mit welchen Problemen auch die Hersteller teurer AR-Brillen wie der Hololens zu kämpfen haben.

Aryzon Headset
Blick durch das Headset

Fazit

Im Vergleich zu den Anwendungsmöglichkeiten der VR-Cardboard von Google mit Apps wie „Google Expedition“ oder „CoSpaces“ in der Schule oder Jugendarbeit, sind die AR Brillen noch zu kompliziert zu konfigurieren und verfügen über nur sehr wenige Inhalte. Wer genug Zeit und Experimentierfreude besitzt, kann hier schon mal vorfühlen, was möglich wird, wenn professionelle Lösungen wie die Microsoft Hololens erschwinglich werden.

Teilt ihr meine Erfahrungen oder habt ihr andere Beobachtungen gemacht? Ich freue mich über Ergänzungen und Kommentare zum Beitrag.