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Posts tagged ‘iPad’

Learnist: Pinterest für Lerner

Ich habe ja schon lange einen Faible für Informations- und Wissenmanagement im Netz. Angefangen mit den ersten selbstprogrammierten Datenbanken über meine Wikis Web 2.0 (völlig veraltet) und 3DBildungswelten (ziemlich veraltet) und Delicious, das ich bis heute gerne als Bookmarkablage nutze, schaue ich mir doch immer wieder gerne neue Tools an. Gerade was Infosharing angeht tut sich hier im Moment sehr viel. Und zu meiner großen Befriedigung tut sich auch etwas beim Design (gerade Mediawiki fand ich immer furchtbar).

Seit einiger Zeit ist mein favorisierter Dienst scoop.it. Übersichtlich, gut zu handeln und der Dienst schlägt selber zum Thema passende Beiträge vor. Mit Pinterest konnte ich mich bisher nicht anfreunden, insbesondere weil es sehr auf Bilder fokussiert ist und sich m.E. damit nicht alle Themen darstellen lassen. Nun gibt es aber seit einigen Wochen mit Learnist eine sehr stark an Pinterest angelehnte Alternative, mit dem erklärten Ziel „Wissen zu teilen und von anderen zu lernen“.

Auch hier werden einzelne Webseiten abgespeichert, versehen mit einem Vorschaubild und einem erklärenden Text. Diese Einheit heisst „Learning“. Learnings zu einem Thema werden linear geordnet und bilden dann ein „Board“. Die Idee dabei ist, dass die Lernboards so in einer vorgegebenen Reihenfolge von den Lernern „abgearbeitet“ werden, im Grunde also ein kleiner Onlinekurs entsteht. Fehlt das passende Material aus dem Netz können auch Learnings bestehend aus eigenen Bildern und Texten hinzugefügt werden. Auch andere Boards können ein Learning bilden. Damit kann dazu eingeladen werden, an einer Stelle des Boards das Thema weiter zu vertiefen.

Learnist auf dem iPad

Hört sich simpel an, bietet aber eine Menge Möglichkeiten und ist optisch sehr ansprechend, wie ich finde. Genauso gelungen ist auch die iPad App, bei der man ganz iPad-like durch die Boards wischt. Mir hat es jedenfalls sehr viel Spass gemacht, Boards anderer Leute zu entdecken und zu durchstöbern.

Gut umgesetzt sind auch alle sozialen Features. Ich kann die Boards anderer Leute liken, kommentieren und sowohl bestimmten Boards als auch Leuten folgen. Änderungen und Aktualisierungen werden mit auf meiner Learnist-Homepage angezeigt. Ich kann sehen, wer wem folgt und wer welche Boards mag und werde so auf andere interessante Boards und Leute aufmerksam. Und natürlich können Boards auch kollaborativ gestaltet werden. (Was ärgerlicherweise bei scoop.it nicht ging). Und auch wenn ich nicht an einem Board beteiligt bin, kann ich Learnings vorschlagen.

Neben dem informellen Selbstlernen bieten sich auch für den Unterricht und in der Bildungsarbeit einige Einsatzszenarien an. An erster Stelle steht die Organisation von Lernmaterialien inklusive dazugehöriger Kommentare alleine oder gemeinsam mit KollegInnen, entweder zur Einarbeitung in den Unterrichtsstoff oder als nachträgliche Dokumentation von Lerninhalten. Spannend wird es insbesondere, wenn SchülerInnen aufgefordert werden, eigene thematische Lernboards anzulegen. Das Lernboard kann damit auch eine attraktive Alternative zur Powerpoint-Präsentation sein.

Ein paar Nachteile sehe ich noch: Bisher können keine privaten Boards angelegt werden und die Anmeldung muss zwangsweise über Facebook passieren.

Und dieser Hinweis darf natürlich auch nicht fehlen: genauso wie Pinterest ist Learnist kein Dienst, der in Deutschland angesiedelt werden könnte, denn da ist das deutsche Urheberrecht vor, schließlich werden Bilder aus dem Netz auf die eigenen Boards übernommen.

Mein Profil bei Learnist

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Sharing bei iOS 6: vermurkster Datenaustausch bei iPads und iPhones

Über 200 neue Funktionen in iOS 6, aber nicht die eine, die ich mir so dringend gewünscht hätte: einen einfachen Dateiaustausch von Gerät zu Gerät. Dass ich damit der einzige bin, glaube ich kaum. In unseren iPad Schulungen für LehrerInnen ist das eine der ersten Fragen: Wie übertrage ich meinen SchülerInnen Materialien und Arbeitsblätter? Nach dem die Buttons mit iDisk und iWork bei den iWork-Apps Keynote, Pages und Numbers schon seit geraumer Zeit nicht mehr funktionierten, gab es nur die Möglichkeit, die Dokumente per WebDAV im Netz zu speichern. Aber wer hat schon einen eigenen WebDAV Server? Bei meinem favorisierten Cloudspeicherdienst Dropbox  ist WebDav kostenpflichtig. Es geht trotzdem auch kostenlos, wenn man einen Dienst wie Otixo dazwischenschaltet. Aber ist das ein Weg, den man Leuten nahelegen sollte, die zum ersten Mal iPads nutzen? Eher nicht.

Also: Am besten alles per eMail schicken! Auf die Emailfunktion kann jede App zugreifen. Ist leider nicht sehr elegant und die Gefahr ist immer, dass wichtige Dokumente im Spam der letzten Stunden untergehen.

Immerhin, ein paar Sachen haben sich mit dem neuen iOS  beim „Share“-Button geändert. Aus den Apple Apps wurden die funktionslosen iWork- und iDisk-Button entfernt. Und hinzugekommen ist die Möglichkeit, Dokumente in einer „anderen App“ zu öffnen:

Je Dokumententyp (3 unterschiedliche lassen sich jeweils bei Keynote, Numbers und Pages auswählen) werden andere Apps angeboten. Achtung: Was ich zunächst auch nicht bemerkt habe: durch Wischen lassen sich mehr als die 9 angezeigten Apps auswählen, die auch das Dokument öffnen können. Hier fehlen in der Programmierung die kleinen Punkte am unteren Rand, die anzeigen, dass noch weitere „Fenster“ vorhanden sind.

Noch größer ist meine Verwunderung, wenn man die Sharingmöglichkeiten anderer Apple Apps betrachtet. Hier zum Beispiel Garageband und iMovie:

War das nicht mal Apple, das für seine genialen und einfachen User Interfaces berühmt geworden ist? Bei den beiden Apps ist davon nichts zu sehen, aber vielleicht kommt ja noch eine Anpassung an die iWork-Apps. Nach wie vor kann auch Garageband nicht mal Songs in der iOS eigenen Musikbibliothek ablegen.

Auch die Camera Roll hat ein Update spendiert bekommen, was die Sharingfunktion angeht. Allerdings eher ein optisches, viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Abgesehen von der nun überall anzutreffenden Facebook-Sharingfunktion. Hier ist ein Update vielleicht auch nicht ganz so wichtig, ist doch die Camera Roll der Bereich, bei dem Apple es gestattet, das andere Apps darauf zugreifen. Und hier gibt es dann auch Apps wie z.B. Wireless Transfer und Bump, die einen direkten Austausch von Fotos und Videos zwischen iPads und iPhones erlauben. Auch die Dropbox-App kann direkt auf die Camera Roll zugreifen und dann Fotos und Videos nach Dropbox übertragen.

Wieder etwas anders sieht das bei der iPhoto-App aus, die ja eigentlich unter MAC OS X zusammen mit Garageband und iMovie zur iLife-Serie gehört. Vielleicht ist die Entwicklung hier aber auch schon etwas weiter: Man beachte im Vergleich zur Camera Roll das farbige Druckersymbol, die Verknüpfung mit Cards (das ich allerdings gar nicht habe) und hier nun endlich das vermisste „Beamen“-Symbol. Der „Öffnen in“-Button führt hier über einen Zwischenschritt, bei dem ich merkwürdigerweise noch die Möglichkeit habe, ein anderes Foto auszuwählen, zur bekannten Übersicht mit kompatiblen Apps. Bemerkenswerterweise sind hier die kleinen Punkte am unteren Rand bereits integriert, die anzeigen, dass durch Wischen weitere Apps ausgewählt werden können.

 

Ich hätte mir für iOS 6 eine solche geniale Lösung wie bei Mac OS X mit Airdrop gewünscht: Auf beiden Rechner wird ein Airdropfenster geöffnet, eine Datei wird auf das Computersymbol des anderen Rechners gezogen, fertig! Und das sogar ohne eine WLAN-Verbindung zu nutzen. Warum das nicht bei iPads gehen soll, ist mir ein Rätsel, immerhin gibt es mindestens eine App, die das in der Art kann: iFiles. iFiles überträgt Dateien per WLAN-Verbindung oder Bluetooth zwischen iPads. Leider nur Dateien, die vorher in iFiles geladen wurden, beispielsweise über einen externen Speicherdienst und natürlich nicht Dokumente, die in den Bookshelfs der Apple Apps stehen.

Beim Dateiaustausch also ist iOS 6 eher eine Enttäuschung: teilweise komplett anderes Erscheinungsbild innerhalb der Apple Apps und kaum zusätzliche Funktionen. Ich hoffe auf einen neuen Versuch in einem Jahr mit iOS 7.

Kennt jemand weitere Möglichkeiten zwischen iOS-Geräten Dokumente auszutauschen? Gerne Hinweise dazu in die Kommentare schreiben.

Einstieg in die Filmarbeit mit iMovie Trailer

Seit  wir in den Workshops meines Vereins Metaversa verstärkt iPads einsetzen, probieren wir auch immer neue Methoden aus, um einen Einstieg ins Thema oder eine Einführung in Medienproduktion zu finden. Zuletzt im Workshop „Das Netz sind wir„, in dem es um soziale Netzwerke ging. Für die Videogruppe hieß es deshalb  am Beginn: Erstellt in Kleingruppen mit iMovie den fiktiven Trailer eines Films über „Facebook“.

Seit zwei Jahren schon wird mit der Apple Software eine Reihe an „Templates“ oder „Themen“ zur Erstellung eines einminütigen Filmtrailers mitgeliefert. Sowohl in der Desktop als auch in der iPhone- und iPad-Version. Die Funktion dafür findet man an der Stelle, an der auch ein neues Projekt erzeugt wird. Dort gibt es die Möglichkeit einen „Neuen Trailer“ zu erzeugen. Anschließend kann auf dem iPad aus acht fertigen Beispieltrailer mit unterschiedlichen Themen: Märchenfilm, Abenteuer, Romantik etc. ausgewählt werden. In der Desktopversion stehen weitere Themen zur Verfügung.

Ist die Entscheidung für ein Thema gefallen, werden die Szenen anhand eines vorgegebenen Storyboards mit dem iPad nachgedreht und die Zwischentexte ausgetauscht. Dabei lernen die SchülerInnen den Aufbau eines Storyboards kennen, sowie auch die Einstellungsgrößen im Film, denn jede Szene ist durch eine kleine Skizze genau vorgegeben. (Natürlich muss man sich nicht daran halten, lediglich die Dauer der Clips lässt sich nicht beeinflussen). Für die SchülerInnen ist dies eine gute Orientierung und in kurzer Zeit erreichen sie damit ein Ergebnis, das präsentierbar ist.

Der Einsatz von iMovie Trailer ist damit nicht nur ein aktiver Einstieg um den Aufbau eines Storyboards kennenzulernen, sondern auch ein sehr lockerer und motivierender Auftakt eines Filmworkshops.

Es empfiehlt sich aber mit iPads zu arbeiten, da hier direkt die Szenen mit der eingebauten Kamera aufgezeichnet werden können. Ansonsten müsste eine externe Kamera eingesetzt und der Film zunächst importiert werden, was dem flüssigen Arbeiten bzw. dem „Flow“ bei der kreativen Arbeit hinderlich ist. So können allerdings auch bereits gedrehte und bearbeitete Filme noch zu Trailern umgeschnitten werden.

Je nach persönlichem Anspruch brauchten die Kleingruppen von 3-4 SchülerInnen bei uns zwischen 30 und 90 Minuten zur Gestaltung eines eigenen Trailers mit dem iPad.

 

E-Books am iPad lesen und erstellen: Apple will Standards setzen

Da ich mich gerade auch aktuell mit der Erstellung von E-Books auf dem iPad befasse und dazu etwas bloggen wollte, passte es ganz gut dass Apple just seine Initiative zu digitalen Lehrbüchern vorstellte. Das Fazit meines Artikels sollte nämlich sein, dass das Selbsterstellen von E-Books mit dem iPad zwar sehr viel Spaß macht und ziemlich einfach ist, E-Books nach dem EPUB-Standard aber für mich ansonsten vor allem eins sind: häßlich. Nicht umsonst gibt es bisher wenig Zeitungen oder Zeitschriften, die im EPUB-Format erscheinen, eine rühmliche Ausnahme ist die taz (Probeausgabe der taz als EPUB). Alle anderen verteilen ihre Magazine entweder als PDF oder gerne gleich als eigene App für das iPad.

Auf der anderen Seite haben EPUB-Formate natürlich den Vorteil, dass sie auf vielen Betriebsystemen und Geräten zu lesen sind. Und wenn der neuste Standard verwendet wird, sind sie auch ein wenig multimedial. Zudem dürfte das EPUB-Format eine große Rolle spielen, wenn es um die Erstellung freier Lerninhalte – Stichwort „OER“ – geht.

Auf dem iPad empfehle ich Schulen vor allem zwei Anwendungen, um E-Books im EPUB-Standard selber zu gestalten: Book Creator (3,99€) und Creative Book Builder (2,99€), leider beide nur in englisch. Beide sind gut geeignet, um wirklich schnell und einfach Projekte, Experimente, Unterrichtseinheiten etc. in ansprechender Form zu dokumentieren. Auch mit Pages lassen sich Dokumente im EPUB-Format exportieren, leider allerdings nur auf dem Mac und nicht mit dem iPad.

Book Creator ist sehr gut auch für jüngere Schüler geeignet, da alle Texte und Fotos per Drag und Drop schnell auf den entsprechenden Seiten platziert werden können. Über das Mikrofon oder iTunes kann zusätzlich Audio hinzugefügt werden. Videos sind derzeit leider nicht möglich.

Bei der Verwendung von Creative Book Builder muss man sich schon im Vorfeld mehr mit der Gliederung des Buchs beschäftigen. Überschriften, Textabschnitte, Listen, Fotos, Audio und Videos werden wie Bausteine hintereinander gelegt. erst in der Vorschau lässt sich dann das fertige Buch betrachten.

Die fertigen E-Loks landen am Ende in der App “ iBooks“ und reihen sich dort ein zwischen die Klassiker der Weltliteratur (sofern mal runtergeladen) und können natürlich auch ins Netz übertragen oder per Email weitergegeben werden. Das ist erstmal für Schüler sehr motivierend und lässt sich im Unterricht gut nutzen, ist aber auf Dauer gestalterisch nicht sehr anspruchsvoll.

Insofern ist das neue E-Bookformat, das Apple ab sofort anbietet (zunächst erstmal als Lehrbücher für Schulen und Universitäten, aber das muss ja nicht immer so bleiben) ziemlich beeindruckend: komplett freie grafische Gestaltung, Filme, 3D-Objekte, Bildergalerien und kleine Quizmodule. Dazu dann ein kostenloses Authoringprogramm für MacOS „iBooks Author“ (für das iPad „noch“ nicht), das sehr übersichtlich und komfortabel zu bedienen ist. Ich kann es deshalb Schulen nicht verdenken, auf diesen Zug aufzuspringen, gerade wenn sie schon iPads im Unterricht einsetzen. .

Allein: Es ist kein EPUB-Standard mehr, sondern Apple erweitert hier das Format um viele eigene Spezifikationen. Und natürlich sind die iBooks nur auf iPads und Macs lesbar. Baldur Bjarnason hat sich das ibook-Format genauer angeschaut und vermutet, dass selbst die Programmierung eines Konvertierungsprogramms für iBooks keine leichte Aufgabe wird.

Nun ist das ganze zunächst mal nur für Lehrbücher gedacht und nur einige amerikanische Verlage sind bisher mitgezogen, aber durch die Dominanz des iPads kann man den Eindruck gewinnen, dass Apple hier ganz bewusst versucht, Standards für E-Books zu setzen. Um dem noch eins drauf zusetzen, versucht Apple per Lizenzvertrag alle NutzerInnen von „iBooks Author“ zu verpflichten, kostenpflichtige iBooks nur im iBook-Store zu verkaufen (was Apple 30% der Einnahmen bescheren würde und das Recht nicht genehme Bücher abzulehnen!). Eine interessante Methode, um kostenlose Software zu „monetarisieren“, die natürlich für Empörung gesorgt hat und rechtlich wahrscheinlich nicht mal haltbar ist.

Insofern kann ich die Initiative der deutschen Schulbuchverlage gut verstehen, die (neben Verhandlungen mit Apple) ein eigenes Angebot aufbauen wollen. Unter welchem Standard diese „übergreifende digitale Plattform“ laufen soll, ist wohl noch nicht bekannt. Vorgestellt werden soll die Initiative dann auf der Didakta. Irgendwie komisch, dass Verage und Verwertungsgesellschaften immer erst aufwachen, wenn Apple entsprechende Produkte platziert.

Mein Fazit: E-Books in der Bildungsarbeit zu produzieren ist toll, dann aber möglichst im EPUB-Standard, Apples neue iBooks sind ein Genuss und Gewinn für den Leser/die Leserin, der sich nicht an Konzernen mit marktbeherrschender Stellung stört, vom Produzieren mit der iBooks Authoringsoftware würde ich solange abraten, bis die Ergebnisse auf anderen Plattformen lauffähig sind oder zumindest vernünftig konvertiert werden können.

… und die Frage, ob Ebooks überhaupt noch eine Rolle im digitalen Klassenzimmer der Zukunft spielen sollten, könnt ihr mir ja gerne in den Kommentaren beantworten.

Twitter für die Augen: Mobile Photo Sharing Apps im Vergleich: Instagram, Tadaa, EyeEm und PicPlz

„A whole generation lost in vintage toy camera effects“ (lindydowhaniu)

Meine Karriere als Medienpädagoge begann im Fotolabor, schwarz-weiß und noch ganz analog. Nach einigen in vollständiger Dunkelheit und zwischen giftiger Chemie verbrachten Jahren war ich nicht unglücklich über das Aufkommen der digitalen Fotografie. Neben der unkomplizierte Bildbearbeitung liegt die Faszination für mich vor allem in den tausenden Bildern, die nun sekündlich im Web veröffentlicht werden und die eine niemals versiegende Quelle für Augennahrung darstellen. Während das Suchen interessanter Fotos bei Flickr oder in Facebook und Co noch ziemlich mühsam war und ist, befeuert ein neuer Trend die Produktion von weiteren Trilliarden bunter Pixeln: „Mobile Photo Sharing“ bzw. „Social Photosharing“.

Vorreiter war eindeutig Instagram, dessen 7 Mio Nutzer gerade das 150 Millionste Bild hochgeladen haben. Mit dem Erfolg kommen die Nachahmer und die müssen ja nicht schlechter sein. PicPlz gibt es bereits seit über einem Jahr (und damit länger als Instagram), positionierte sich aber bisher eher als Dienst, um Fotos vom Mobiltelefon in anderen sozialen Netzwerken zu posten. Ganz neu sind zwei deutsche Startups: Tadaa, das Anfang Juni an den Start ging und EyeEm, das am 4. August offiziell startete. Zeit für einen kleinen Vergleich also.

Ich habe mich auf Apps konzentriert, die entsprechende „Social Features“ mitbringen, wie die Möglichkeit, sich mit anderen Nutzern zu befreunden, bzw. Ihnen zu folgen und Bilder bewerten und kommentieren zu können. Hipstamatic und Path, das ein Sharing nur mit einer begrenzten Zahl Freunde zu lässt, sind dabei rausgefallen. Getestet habe ich auf iPhone, Android und iPad, wobei keine der Apps nativ fürs iPad programmiert ist.

Im Vergleich und vor allem in der Praxis zeigt sich, wie unterschiedlich vor allem in der Usability Apps sein können, die eigentlich mit der gleichen Idee angetreten sind. Und ich vermute, es sind gerade diese kleinen Unterschiede, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Instagram Tadaa EyeEm PicPlz
Betriebssystem
iOS iOS iOS und Android iOS und Android
Gestaltung
Filter 16 sehr gute Filter, TiltShift, Echtzeitfilter 13 gute Filter, Echtzeitfilter 9 eher mäßige Filter, Echtzeitfilter (nur iOS) 9 eher mäßige Filter, jeweils mit und ohne Rahmen, + 13 Echtzeitfilter (nur Android)
Qualität iPad und iPhone iPad iPad oder iPhone iPhone (einstellbar beim Upload)
Format immer quadratisch, Ausschnitt kann selber bestimmt werden Orginal oder quadratisch Orginal Orginal
Geodaten möglich möglich möglich möglich
privat jein, Follower müssen für gesamten Stream Erlaubnis anfordern nein ja, einzelne Fotos nein
Entdecken/Feeds
Fotos der Kontakte ja ja (new) ja (Photos from friends) ja (My network)
Likes/Kommentare ja ja (Notifications) ja, plus Angabe wer noch dieselben Fotos geliked hat ?, Kommentare der Kontakte bei anderen Fotos, max. 6
Fotos neuer User nein ja (max. 33) ja nein
Beliebte Fotos ja (beliebt) ja (awesome, max 33) ja (popular) ja (interesting)
Favorisierte Fotos der Kontakte ja ja nein nein
Bewertung
Schema like like/dislike like like
Kommentare ja ja, plus Fotokommentare ja ja
Archiv
Eigene Fotos ja ja ja ja
Favorisierte Fotos ja nein ja nein
Sharing
Facebook, Twitter, Email Facebook, Twitter, Email Facebook, Twitter, Email, Foursquare, Yahoo, Tumblr Facebook, Twitter, Foursquare, Tumblr, Posterous, Dropbox, Flickr
Sonstiges
deutsch, API für Drittanbieter deutsch, Wischfunktion durch die Fotos, tadaa-Dollars englisch, Tagging, Auto-Tagging englisch, Collections zusammenstellen
Webseite
Fotos, Settings, weitere Funktionen über Drittanbieter wie z.B. extragr.am Eigene Fotos/Fotoblog, kein Login Eigene Fotos, Settings, Favoriten, Kontakte, neue Fotos, beliebte Fotos Eigene Fotos/Fotoblog, Settings, Collections, Favoriten, Kontakte, beliebte Fotos, neue Fotos
instagr.am tadaa.net eyeem.com picplz.com

 

Instagram: Gefällt mir von der Funktionsvielfalt und Usability immer noch am besten. Insbesondere, dass ich sehen kann, welche Fotos von den Leuten, denen ich folge, favorisiert werden, lässt mich viele weitere tolle Fotos entdecken. Eine Funktion, die keine der anderen Apps hat. Ob die Einschränkung auf das quadratische Format eher negativ ist, oder die Reduktion zu einer bewußteren Sichtweise führt, ist wohl Geschmackssache. Mir ist negativ aufgefallen, dass die iPhone-App leider die Bilder in geringer Auflösung anzeigt, obwohl Instagram die volle Auflösung speichert. Auf dem iPhone bleibt das unbemerkt, auf dem iPad dagegen wirken alle Bilder verwaschen. Spannend ist es, zu beobachten, was andere Anbieter mit den Fotosammlungen veranstalten, denn Instagram stellt eine öffentliche API zur Verfügung und bietet konsequenterweise auf der eigenen Webseite kaum Funktionalitäten an.

Update 23.9.2011: Mit dem Update auf die Version 2.0 bietet Instagram nun Echtezeitfilter an und hat diese um 4 neue Filter erweitert. Endlich wurde auch die mögliche Qualität erhöht, mit der die Bilder hochgeladen werden können.

Tadaa: Tadaa ist mein heimlicher Favorit. Das Interface finde ich im Vergleich zu Instagram sehr viel erfrischender und es bietet die Navigation (durch Fotos wischen), die ich vom iPhone kenne. Die Fotos kommen in voller Auflösung auf das iPad. Leider fehlen einige wichtige Funktionalitäten. Weder in der App, noch auf der Webseite kann ich die Fotos sehen, die ich zuvor favorisiert habe. Die Listen mit neuen oder beliebten Fotos umfassen leider nur 33 Bilder und die hat man schnell durchgeschaut. Was es mit den Tadaa-Dollar auf sich hat, die man fürs Hochladen der Fotos oder einen Like durch andere bekommt, wird leider auch noch nicht verraten. Ein Dislike-Button ist zwar ganz spaßig, benutzt wird er wohl nicht, dafür allerdings die Möglichkeit, Kommentare zu anderen Fotos in Form eigener Fotos abzugeben. Eine ausführlichere Beschreibung von Tadaa gibt es im Blog von Anne: tadaa und die kleinen Dinge.

EyeEm: Das Interface von EyeEm erntete viel Lob in zahlreichen Weblogs, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Eine Funktion wie bei EyeEm, die anzeigt, wer dieselben Fotos wie ich geliked hat, macht den News-Feed praktisch unbrauchbar, weil das meistens mehrere Hundert pro Bild sind und die Info für mich nicht relevant ist. EyeEm scheint sowieso noch etwas mit der heißen Nadel gestrickt. So sind die Namen der User, die meine Fotos geliked haben, nicht verlinkt. Ich müsste per Copy-Paste nach ihnen suchen. Damit wird aber auch der wichtige Weg, auf die eigenen Fotos aufmerksam zu machen, in dem man andere bewertet, komplett unbrauchbar. In wie weit das Auto-Tagging funktioniert, konnte ich nicht testen, allerdings ist schon die Funktion die Fotos manuell zu taggen und vor allem sich Fotos nach Tags anzeigen zu lassen, ziemlich nützlich.

PicPlz: Ähnlich wie EyeEm ist der Aktivitäten-Newsstream eigentlich überflüssing. Hier werden bei PicPlz die Kommentare meiner Kontakte zu anderen Fotos angezeigt und auch nur die letzten sechs. Wer braucht sowas? Hier spielt auch die Webseite eine größere Rolle, da sie Funktionen bietet, die die App nicht hat, wie z.B. die Anzeige neuer oder favorisierter Fotos. PicPlz ist mehr auf das Teilen der eigenen Fotos in anderen Netzwerken ausgerichtet, was auch die große Zahl der integrierten Dienste zeigt.

Meine ganz subjektive Bewertung der Programme habe ich natürlich auch danach vorgenommen, wie viele Kontakte ich innerhalb der ersten Tage gefunden habe, wie viele Leute meine Fotos bewertet haben und wie lange ich selber bei einem Dienst verweilt bin, um interessante Fotos zu entdecken. Obwohl ich überall ähnliche Bilder hochgeladen habe, müssen die Unterschiede natürlich nicht in der Funktionalität der Dienste liegen, sondern können auch an den Communityspezifischen ästhetischen Bewertungsmaßstab liegen. Beispielsweise werden bei PicPlz kaum Filterfunktionen verwendet.

Instagram bietet schon aufgrund seiner vielen NutzerInnen eine riesige Auswahl an Fotos und damit auch sehr viele herausragende Fotos. NutzerInnen mit fünfstelligen Followerzahlen sind keine Seltenheit. Insofern habe ich hier auch die meiste Zeit verbracht und folge selber mittlerweile mehr als 50 Personen. Trotzdem sind meine Fotos nicht untergegangen. Die zahlreichen Likes und Kontakte zeigen, dass hier schnell Feedback gegeben wird. (bevorzugt bei Fotos mit Blumen;-)). Die Tadaa-Community war eindeutig der Spitzenreiter in Sachen Interaktivität. Sowohl was die Zahl der Follower angeht, als auch die gelikten Bilder hatte ich hier die meisten Rückmeldungen. Das scheint nicht nur daran zu liegen, dass der Dienst so neu ist, sondern, dass die Funktionen dazu so gut zu bedienen sind, denn bei EyeEm gab es kaum Likes für meine Fotos. Ebenso auch bei PicPlz, was aber eher meine These der anderen Ausrichtung von PicPlz als reine Sharing-App und nicht als Social Community bestätigt.

Google Fans sollten noch einige Tage warten, bevor sie sich festlegen. Seit 18. August gibt es bereits im amerikanischen iTunes-Store Photovine die Photo Sharing App von Google (merkwürdigerweise bevor es eine Androidversion gibt).

Am Schluss noch ein paar Tipps um möglichst großes Feedback für die eigenen Fotos zu kriegen:

  • nur ausgewählte (interessante) Fotos posten
  • viele andere Fotos liken
  • vielen anderen Leuten folgen

Welche Apps benutzt ihr und welches sind für euch die Killerfunktionen einer solchen App?