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Posts tagged ‘kinderschutz’

Spyware-Tools für Eltern: das gläserne Kind

In Amerika ist man schon etwas weiter, was die Nutzung von Mobiltelefonen und Web 2.0-Tools zur Kontrolle der eigenen Kinder angeht und noch gibt es keine deutsche Übersetzung für den treffenden Oberbegriff: Parental Spyware.

…und übersieht dabei auch schon mal, dass auch Kinder ein Recht auf Privatsphäre haben.

Hier eine kleine Liste der Dienste, die mir in den Wochen aufgefallen sind:

SocialShield, www.socialshield.com, scannt die Aktivitäten der Kinder in sozialen Netzwerken und meldet verdächtige Eintragungen (10$/Monat)

SafetyWeb, www.safetyweb.com, Monitoring der Onlineaktivitäten in sozialen Netzwerken + Überwachung der SMS und Anrufe auf dem Mobiltelefon, 10$/Monat

Life360, www.life360.com: GPS Tracking durch eine Anwendung auf dem Mobiltelefon, der aktuelle Ort wird durch Klick auf einen Button gemeldet, der Service zeigt außerdem in der Nähe wohnende Sexualstraftäter (mit Benachrichtigungsfunktion, wenn einer in die Nähe zieht) und mit „Notfall Messenger“. Fast 1 Mio registrierte Familien (Januar 2011)

Whereoscope, www.whereoscope.com, GPS Tracking, sendet Benachrichtungen, wenn das Kind vorher definierte Orte erreicht oder verläßt

Family Tracker, www.logsat.com/iPhone/familytracker, GPS Tracker, iPhone App, 3,99$

DriveSmart Plus, locationlabs.com, Android app for T-Mobile: deaktiviert die SMS-Funktion eines Mobiltelefons, wenn das GPS eine schnelle Fortbewegung meldet, wie zum Beispiel beim Steuern eines Autos

Webwatcher, www.webwatcherkids.com: Lesen aller Emails, Listen aller aufgerufenen Webseiten, Monitoring über das Internet von überall aus, 97$

Webwatcher Mobile, www.webwatcherkids.com/fea_mobile.php: Kontrolle aus- und eingehender SMS auf dem Handy der Kinder, einfaches Lesen über das Internet, 39,95$

Ich freue mich über weitere Hinweise zu solchen Diensten in den Kommentaren.

„SCHAU HIN!“ – neue Spots

Seit Anfang der Woche strahlen ARD und ZDF neue Spots im Rahmen der Kampagne „SCHAU HIN!  Was Deine Kinder machen“ aus. Ich hatte jetzt mehrfach Gelegenheit mit KollegInnen darüber zu diskutieren, bin aber teilweise immer noch etwas ratlos.

Und das scheint gerade die Absicht der Spots zu sein. Es geht wohl weniger darum, aufzuklären, wie man sich als Eltern zu verhalten hat, wenn die eigenen Kinder einen in der Mediennutzung überflügelt haben, sondern darum, provokant auf die eigene Webseite hinzuweisen: Thema Internet: Eine Nachbarin zeigt einem Vater ein freizügiges Foto seiner Tochter, das sie im Drucker ihrer Tochter gefunden hat. Motto: „Radiergummi fürs Internet – das gibt es doch nicht“. Haha. Thema Fernsehnutzung: Sohn (7 Jahre) hat eigenen Fernseher und übt auf dem Spielplatz für die Castingshow, aha! Thema Handy: Kleiner Junge telefoniert viel mit dem Handy, dann Schwenk auf seinen Kopf mit großen roten Segelohren. Wie lustig. Immerhin ein neues Ziel meiner medienpädagogischen Arbeit: Kinder vor körperlichen Mißbildungen bewahren.

Die Idee hinter den Spots wird m.E. kaum aufgehen.Von den Millionen Zuschauern wird wohl höchstens ein Bruchtteil auf die durchaus gut gemachten und informativen Webseiten der Kampagne (die es auch auf türkisch gibt!) gehen, die anderen bleiben im besten Fall ratlos, im schlimmsten Fall verängstigt zurück, was die Mediennutzung ihrer Kinder angeht.

Wer sich selber ein Bild machen möchte: schau-hin.info/service/tv-spots.html

Jugendschutzfilter blockiert politische Webangebote

Durch die gleichzeitig laufenden Diskussionen um die Sperrung bzw. eher das Verstecken von Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten (Link zur Petition: „Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten„), hätte ich einen interessanten Atikel der Telepolis fast übersehen: Jugendschutz und politische Zensur.

Dass die Hersteller von Filtersoftware, die ja reichlich für Eltern und PädagogInnen angeboten wird, oftmals eine sehr subjektive Ansicht zur Gefährlichkeit bestimmter Webseiten haben, dürfte ja bekannt sein. Der Fall, den Telepolis hier schildert, erfährt aber eine besondere Brisanz dadurch, dass die Software JusProg als einziges Filtersystem zu einem Modellversuch der staatlichen Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) zugelassen ist.

Die Filtersoftware sperrt etwa Angebote, wie die Internetseiten von Parteien, der Piratenpartei, der TAZ und des AK Vorratsdatenspeicherung. Aufgrund des Telepolisartikels wurden zwar einige Seiten nun anders bewertet, andere bleiben wiederum im Filter.

Einen ausführlicheren Test des Filters kann man im Blog „mein gott und meine welt“ nachlesen.

UPDATE: In einem Gespräch mit Telepolis entschuldigt sich der Vorstandsvorsitzende von JusProg damit, dass sie einen Crawler einsetzen um Seiten in den Filter aufzunehmen. (Obwohl auf deren Webseiten immer noch steht, dass die Seiten auch noch von zwei Mitabeitern geprüft werden). Schönes Beispiel jedenfalls für de Untauglichkeit von Crawlern zur Erstellung solcher Filterlisten.