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Posts tagged ‘Schule’

Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016

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Am 18. September 2016 wird nach fünf Jahren das Abgeordnetenhaus in Berlin neu gewählt. Es wird also Zeit, sich mal in die Wahlprogramme der Parteien einzulesen und nach relevanten Aussagen zur Medienbildung zu suchen. Das hatte ich bereits 2011 gemacht. Im Nachhinein muss ich erschreckt feststellen, wie gering der Stellenwert der Medienbildung damals noch bei einigen Parteien war. So lässt sich nun aber auch überprüfen, was aus den damaligen Versprechen der Parteien geworden ist. Fairerweise geht das natürlich nur bei den Regierungsparteien CDU und SPD:

Wahlprogramme 2011 – Cybermobbing einen Riegel vorschieben

Die CDU konnte nicht viel falsch machen, hatte sie doch 2011 lediglich eine Idee zur Medienbildung im Wahlprogramm:
„Dem Phänomen des Mobbing im Internet (häufig als „Cyber-Mobbing“ bezeichnet) schnellstmöglich ein Riegel“ vorschieben – wurde nicht so wirklich umgesetzt.

Auch die SPD glänzte 2011 nicht unbedingt mit originellen Ideen:

  • „Um die Ausstattung der Schulen mit Computern zur bedarfsgerechten Medienbildung zu verbessern, bauen wir die Kooperation mit Privaten aus.“ War da was?
  • „Wir werden die Anzahl der Kooperationsvereinbarungen zwischen den Schulen und den Bibliotheken zur Leseförderung und zum Erwerb von Medienkompetenz erhöhen, indem wir die Rahmenbedingungen verbessern.“ Ist mir auch nicht bekannt geworden.
  • Immerhin: „Medienkompetenz und kulturelle Bildung und die damit einhergehende Entwicklung sozialer und kreativer Kompetenzen sollen an den Schulen stärkeres Gewicht erhalten.“, ist zumindest in die neuen Rahmenlehrpläne in Form des Basiscurriculum Medienbildung eingeflossen. Welche Unterstützung die Schulen bis zum Inkrafttreten zum Schuljahr 2017/18 zur Implementierung bekommen, scheint aber noch nicht klar zu sein.

 

Medienkompetenzförderung in Berlin – ein Trauerspiel

Wer mir bei Twitter oder Facebook folgt und auch meine Arbeit im Vorstand der LAG Medienarbeit kennt, weiß, dass ich mit der Medienkompetenzförderung der Berliner Bildungsverwaltung in den letzten Jahren nicht besonders glücklich war. Und dies vor allem aus der Perspektive, dass Berlin vor 10-15 Jahren schon mal eine fast eine Vorreiterrolle in Deutschland hatte: mit gemeinsam erarbeiteten Standards für Medienbildung in der Jugendarbeit, mit der Berliner Mailbox Spinnenwerk und zahlreichen Fachtagungen, in denen bereits frühzeitig Medienthemen pädagogisch bearbeitet wurden.

Seitdem herrscht von Seiten der Jugendarbeit eher Stagnation in Form des Programms jugendnetz-berlin.de. Seit Jahren werden hier die bezirklichen Medienkompetenzzentren mit der immer gleichen Summe von 5000 Euro jährlich (!) am Leben erhaltengefördert. Andere Förderprogramme wie „StepsIntoFuture“, bei dem unkompliziert Medienprojekte für 500 Euro beantragt werden konnten und auch die Förderung berlinweiter, vernetzter Projekte wurden weitestgehend eingestellt. Stattdessen setzt die Bildungssenatorin gegen zahlreiche Expertenwarnungen seit 2015 auf ein eigenes Berliner Jugendportal, das 200.000 Euro im Jahr verschlingt und nach Projekthalbzeit absehbar keine besondere Relevanz entfaltet.

Auch auf Schulseite sieht es in Berlin nicht besser aus, sofern dort überhaupt ein Einblick zu erhalten ist, denn selbst der Abgeordnete Thomas Birk von Bündnis 90/Die Grünen erhält 2014 auf eine Anfrage die Antwort, Auskünfte an Außenstehende erteilt die Pressestelle der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Und entsprechend sehen dann auch die Webseiten der Senatsverwaltung zum Thema Schule und Medienbildung aus.

Auf der Senatswebseite zum Thema „Unterrichten mit Medien“ wird nicht einmal der immer wieder beschworene eEducation-Masterplan genannt oder verlinkt. Die neuesten Infos beziehen sich hier auf Open Educational Ressourcen (OER), bestehen aber lediglich auf einer Begriffsdefinition.

Auf der Webseite des Lernraum Berlins, einem berlinweiten Moodle für Schulen (durchschnittliche Logins pro Tag 2014: 1272, bei über 300.000 Berliner SchülerInnen), werden dann auch konsequent die Ziele des eEducation-Masterplan von 2005 zitiert.

Google findet ihn dann doch noch, den eEducation-Masterplan: http://masterplan.be.schule.de/ mit dem letzten Zwischenbericht von 2009. Hier finden sich immerhin die seit 10 Jahren bestehenden Teilprojekte: Roberta mit immerhin 50 teilnehmenden Schulen, das Internetseepferdchen (Berliner Internetführerschein) und eTwinning, das zumindest laut Webseite ein lebendiges Projekt zu sein scheint. Als neues Projekt in den letzten Jahren ist dort „MYOP – make your own product“ dazugekommen: 2013 erhielten zwei der 700 Berliner Schulen einen 3D Drucker und einen 3D Scanner. Da wundert es auch gar nicht, wenn das aktuellste Projekt: „Second Hand IT für Berliner Schule“ heißt.

Die Opposition hat sich hingegen kurz vor Schluss mit dem Antrag „Berlins Zukunft sichern – jetzt Konzept für die Bildung mit digitalen Medien vorlegen“ ein Bienchen verdient.

 

Wahlprogramme 2016 – CDU favorisiert Apple

Aber ab 18. September kann ja nun alles anders werden. Immerhin ist damit zu rechnen, dass die bisherige Koalition aus CDU und SPD nicht fortgeführt werden kann.

Bei meiner diesjährigen Durchsicht der Wahlprogramme habe ich diesmal nur konkrete Umsetzungsvorschläge berücksichtigt. Medienbildung ganz allgemein finden inzwischen alle Parteien wichtig und toll.

In wechselnden Konstellationen finden sich bei allen Parteien gemeinsame Punkte:

  • die Förderung von frei lizenzierten Unterrichtsmaterialien (OER) (Ausnahme.: CDU)
  • Aus- und Fortbildung von Lehrkräften im „Digitalem Lernen“ (Ausnahme: SPD)
  • Die Förderung des Freifunk-Projekts (Ausnahme: SPD und CDU)
  • Zusätzliche Stellen für qualifiziertes Personal insbesondere für IT-Kräfte (Ausnahme: Bündnis 90/Die Grünen)

Einig sind sich alle neben der Weiterentwicklung von Schulen in der Stärkung außerschulischer Lernorte. Dies ist allerdings mit der Aufnahme der Verkehrsschulen, der Jugendkunstschulen und der Gartenarbeitsschulen ins Schulgesetz bereits verabschiedet worden. Nur die bezirklichen Medienkompetenzzentren wurden dabei vergessen. Bündnis 90/Die Grünen sind leider die einzigen, die das gerne ergänzen würden und die Medienkompetenzentren im Wahlprogramm explizit erwähnen.

Darüberhinaus haben die Parteien verschiedene weitere Ideen zur Medienkompetenzförderung entwickelt:

SPD

Dass sich mobile Geräte auch für die Bildung eignen, ist der Berliner SPD noch weitestgehend unbekannt. Hier wird beim bisherigen Kurs geblieben: Ziel ist es, jede Schule mit Whiteboards ausstatten, interessierte Schulen darüberhinaus mit Laptopklassen. Die SPD hat die Stärkung der Jugendarbeit in ihrer dezentralen Struktur und die Stärkung außerschulischer Lernorte im Wahlprogramm verankert, wie bereits beschrieben, leider ohne Medienzentren zu benennen. Informations- und Medienkompetenz wird als Aufgabe der Bibliotheken gesehen.
Man will außerdem die Aktivitäten im Land Berlin zur Steigerung der Medienkompetenz verstärken und eine „einheitliche Anlaufstelle“ schaffen. (Was immer das auch heißen soll, vielleicht eine Medienkompetenz-Hotline?) Der bisher nicht zustande Kooperationsvertrag mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, den es in Brandenburg seit einigen Jahren gibt, soll nun wohl doch angegangen werden. Im Wahlprogramm heißt es dazu: „Die Aktivitäten sollen mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg verzahnt werde.“ Und natürlich droht uns mit der SPD „der Ausbau des neuen Jugendportals“.

CDU

Leider ein bisschen zu spät, denn die neuen Rahmenlehrpläne wurden ja gerade (unter CDU/SPD) beschlossen, spricht sich die CDU für „Fachteams zur Überprüfung der Lehrinhalte und Erarbeitung digitaler Möglichkeiten des Wissenserwerbs“ aus. Lernstoffe sollen in Form von Apps die Schulöffentlichkeit erreichen. Gefordert wird eine Schule 4.0 mit WLAN, Whiteboards, Tablets und IT Experten vor Ort. Erstaunlicherweise offenbart der Finanzierungsvorschlag für neue Laptopklassen eine klare Präferenz für Apple, denn „Zur Finanzierung könnten Schulen z.B. dem erfolgreichen Vorbild der Friedrich-Bergius-Schule folgen, die in dieser Frage mit Apple zusammenarbeitet.“ Die Grundlagen des Programmierens sollen altersgerecht erlernt werden. Aus dem Vorschlag einer „einheitlichen Anlaufstelle“ wird bei der CDU die Gründung eines Fachreferats Digitale Bildung bei der Senatsverwaltung.

Bündnis 90/Die Grünen

Eine zentrale Stelle möchten auch Bündnis 90/Die Grünen, hier wird daraus eine „Koordinierungsstelle im Senat zur Steuerung des digitalen Aufbruchs“. Zusätzlich haben Bündnis 90/Die Grünen den begonnen Versuch der LAG Medienarbeit aufgegriffen und möchten einen Runden Tisch Medienbildung unter Leitung des Senats einführen. Programmieren soll in der Schule vermittelt werden, ebenso wie mehr Informationen zu Cybermobing und Gewalt im Netz. Der Informatikunterricht soll durch ethische, datenschutzrechtliche und soziale Fragen weiterentwickelt werden und dies auch mit Angeboten in der Grundschule. Ergänzt werden soll die Medienbildung um die Unterstützung von Eltern durch Angebote der Selbstregulation, Aufklärungs- und Informationskampagnen zu Gewalt im Netz und der Sensibilisierung für Datenschutz.

Die Linke

Als einzige der Partien hat sich Die Linke Gedanken gemacht, wie auch bundespolitisch Medienkompetenz gefördert wird und regt ein Bund-Länder-Programm für digitale Bildung mit Förderung eines mobilen Geräts pro Kind an. Ebenso wie die Abschaffung des Kooperationsverbots. Versprochen wird ein Wettbewerb und die Förderung für Mädchen und Frauen zum Erlernen und kreativen Nutzen von Programmiersprachen und Onlinetechnologien.

Piraten

Die Piraten haben leider nicht mehr viel neues Innovatives beizutragen. Neben den zusätzlichen IT Experten (bei den Piraten „Medienwarte“ gennant“) geht es vor allem um kostenlose Schulungen in Bedienkompetenzen für alle und der Einführung eines Fachs „Medienkompetenz“.

 

Kampagne „Medienbildung jetzt“

Wer sich weitere Inspirationen für den Wahlzettel holen will, sollte noch die Kampagne „Medienbildung jetzt“ beachten. Im Rahmen dieser gemeinsamen Kampagne der GMK Landesgruppe Berlin-Brandenburg und der LAG Medienbildung gab es neben veröffentlichten Wahlprüfsteinen und Fragen an die Parteien am 29.6.16 eine spannende Veranstaltung mit VertreterInnen von SPD, Grünen, Linken und den Piraten. Die CDU blieb sowohl der Veranstaltung fern, als auch die Übersendung der Fragen zu den Wahlprüfsteinen schuldig.

Auf der Kampagnenwebseite findet sich eine Transkription der Gesprächsrunde, die deutlich macht, wo die Medienkompetenzen bei den PolitikerInnen liegen: deutlich bei der bisherigen Opposition und nicht der SPD. Und hier wurde dann auch konstatiert, dass gerade bei der Lehrerausbildung Defizite bestehen und Nachbesserungsbedarf. Und auch auf die Situation der LehrerInnen an den Schulen wird sehr differenziert eingegangen. Während der Vertreter der SPD betont, dass LehrerInnen bei ausreichender Bereitschaft auch genügend Möglichkeiten haben, sich fortzubilden, sehen die VertreterInnen der Opposition die Notwendigkeit, die Arbeitszeiten der LehrerInnen zu verändern, um mehr Räume für innovative Unterrichtsmethoden zu schaffen und auch die Lehrpläne von einigen Inhalte zu entlasten. Einig waren sich zumindest hier alle Beteiligten, dass es sinnvoll ist, die Expertise möglichst vieler Akteure einzubeziehen, ob das nun in Form eines Runden Tischs oder eines vom SPD Vertreter vorgeschlagenen Beirats passiert, ist dann Sache der Koalitionsverhandlungen.

Disclaimer: Als Vorstand und Projektleiter der LAG Medienarbeit bin ich direkt durch die Kürzungen der Mittel für vernetzte Projekte betroffen und deshalb weder objektiv noch unparteiisch. Korrekturen, Kritik und Anmerkungen nehme ich gerne entgegen, per Mail oder in den Kommentaren.

Hier geht es dann zum Update in 2021: Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021

Mit Robotern Programmieren lernen

Seit einigen Monaten sammeln wir (mein Verein Metaversa e.V.) nun Erfahrungen mit unseren beiden kleinen Robotern Sphero und Dash. Zum Einsatz kamen sie bisher vor allem bei unserem Schulprojekttag Reise durch die Mediengalaxie, bei dem 10-12jährige Schüler_innen einen Spielparcours mit kleinen Medienaktionen gestalten, aufbauen und dann für Eltern-Kind-Teams durchführen. Die Aktionsbasis „Roboter programmieren“, die sich immer großer Beliebtheit erfreut, hat das Ziel, einen kleinen Einblick in die Computerprogrammierung zu geben. Die Spielteams erhalten dabei die Aufgabe in 3-5 Minuten am Tablet einen der beiden Roboter so zu programmieren, dass er einen kleinen Parcours abfährt. Es spricht für die verwendeten Apps, dass dies selbst in dieser kurzen Zeit gut machbar ist.

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Sphero im Einsatz bei der Reise durch die Mediengalaxie

Der Dash von Makewonder

Der Dash von Makewonder

Auch wenn die Diskussion, ob alle Schüler_innen programmieren lernen müssen, gerade sehr kontrovers geführt wird, finde ich es aus medienpädagogischer Perspektive wichtig und nötig, zumindest das Grundkonzept von Software und Algorithmen zu kennen auch ohne Programmcode beherrschen zu müssen. Das Einbeziehen von physischen programmierbaren Objekten wie z.B. dem Sphero oder dem Dash bietet dabei eine gute Chance, auch wenig lese- und schreibfreudige Kinder zu motivieren, sich mit ersten Codezeilen auseinanderzusetzen und im besten Fall noch ihr Englisch zu erweitern.

Der Sphero ist eine weiße Plastikkugel, die im Inneren über einen steuerbaren Motor und verschiedene Lampen verfügt. Damit kann er in beliebige Richtungen rollen. Einzige eingebaute Sensoren sind ein Gyroskop und ein Beschleunigungssensor (Accelerometer), die registrieren, wie der Sphero bewegt wird und ob er beispielsweise auf ein Hindernis getroffen ist. Der Dash sieht nach den Vorstellungen der Schüler_innen schon sehr viel mehr nach einem richtigen Roboter aus. Außer sich bewegen, kann er den „Kopf“ drehen, mehrere farbige Lampen aktivieren und Geräusche machen. Er verfügt über ein Mikrophon, Annäherungsensoren vorne und hinten und ebenfalls einen Beschleunigungssensor. Bis zu vier Buttons am Kopf können mit verschiedenen Funktionen belegt werden.

Für beide Roboter gibt es Apps für iOS und Android, mit denen sie remote gesteuert werden können. Die Verbindung funktioniert über Bluetooth. Für unsere Zwecke nutzen wir aber Apps, die eine einfache visuelle Programmiersprache ähnlich wie „Scratch“ verwenden, um dem Roboter verschiedene Handlungsabläufe beizubringen. Der Programmcode wird in der App per Drag und Drop kleiner Blöcke zusammengestellt. Der Dash verwendet dazu „Blockly„, eine von Google entwickelte visuelle Programmiersprache. Beim Sphero hat der Hersteller dafür eine eigene, aber sehr ähnliche Lösung gefunden und in der App „SPRK“ implementiert. Für Scratch gibt es Erweiterungen mit denen der Sphero aus Scratch heraus ansteuerbar ist. Getestet habe ich das mit der Scratch Helper App S2Bot. Leider hat Scratch die Befehle nicht richtig umgesetzt.

App "Blockly" zur Programmierung des Dash

App „Blockly“ zur Programmierung des Dash

App "SPRK" zur Programmierung des Sphero

App „SPRK“ zur Programmierung des Sphero

Für beide Roboter gibt es noch die aus einem Kickstarter Projekt hervorgegangene App Tickle (leider nur für iOS). Die App ist kompatibel mit verschiedenen Geräten u.a. auch Arduino Beans und bietet die Möglichkeit auch ohne physische Devices kleine Programme wie beispielsweise Animationen zu erstellen. Verwendet wird bei Tickle eine eigene Programmiersprache angelehnt an Blockly und Scratch.

App "Tickle" (nur für iOS)

App „Tickle“ (nur für iOS)

Das schöne allen drei Apps ist, dass sie sehr gut skalierbar sind. Einsteiger programmieren erst einmal einfache Bewegungsabläufe oder verschiedene Lichteffekte. Fortgeschrittene können mit Hilfe der Sensoren verschiedene Reaktionen auf bestimmte Ereignisse hinzufügen und Schleifen einfügen und werden so mit den Grundprinzipien des Programmierens vertraut gemacht.

Im direkten Vergleich gewinnt sowohl bei den Schüler_innen als auch bei uns der Dash gegen den Sphero. Bei den Schüler_innen vor allem wegen des roboterartigen Aussehens und den Geräuschen. Auch die Orientierung ist besser, da der Sphero aufgrund seiner Form zunächst kein sichtbares Vorne und Hinten hat und immer wieder neu vor jeder Fahrt per App ausgerichtet werden muß. Für uns war der Dass bisher einfach zuverlässiger. Der Sphero verlor öfter seine Bluetoothverbindung, die manchmal erst nach Neustart des Tablets wieder funktionierte.

Ein paar Vorteile hat aber auch der Sphero. Die Programmierung kann sehr viel komplexer erfolgen. Wer bereits Scratch behrerrscht, kann hier direkt den Sphero per Scratch nutzen. Mit Hilfe seiner Sensoren kann er auch als Controller für verschiedene Spiel-Apps verwendet werden. Beim Sphero gibt es außerdem noch kleine Spiel-Apps, die aus dem Sphero per Augmented Reality im Kamerabild einen Biber oder auch Zombie-Shooter machen. Kleine Spielereien, die aber zeigen, was noch möglich ist. Und auch der etwas geringere Preis von 120 Euro gegenüber 180 Euro beim Dash spielen  eine Rolle.

App "Sharks" für den Sphäre. Aus der weißen Kugel wird per Augmented Reality ein Biber

App „Sharks“ für den Sphäre. Aus der weißen Kugel wird per Augmented Reality ein Biber

Noch nicht zum Einsatz gekommen ist unser dritter Roboter, ein mBot von Makeblock. Grund war vor allem, dass es derzeit noch einen Desktoprechner braucht, an dem der mBot programmiert werden muss und die mBlock-Software (basierend auf Scratch) hier noch nicht so userfreundlich wie die Apps des Sphero oder Dash sind. (Update: Für iOS gibt es mittlerweile eine Programmierapp für den mBot: mBlockly) Dafür ist sie allerdings kompatibel mit Arduino und bietet einen Einstieg ins Arduinouniversum. Der mBot ist außerdem modular aufgebaut und kann durch diverse elektronische Bauteile, Displays, Motoren und Sensoren erweitert werden.

Eine Erweiterung unser Roboterflotte streben wir an. Es gibt einige heiße Favoriten auf der Wunschliste:

  • die Parrot Minidrone Rolling Spider ist bereits auf dem Markt und ebenfalls über die App Tickle ansteurbar. Mit dem üblichen Nachteil, dass der Drohnenakku kaum 8 Minuten durchhält und dann eine Stunde aufgeladen werden muss.
  • die Tinkerbot Baukästen sind bereits demnächst erhältlich, allerdings verhältnismäßig teuer
  • Ozobot, klein aber fein

Als sehr spannende Kickstarter Projekte laufen außerdem gerade:

  • Robo Wunderkind, die ähnlich programmierbare Bausteine anbieten wie Tinkerbot
  • der Dobot, ein programmierbarer Roboterarm, der stark an die Fertigungsstraßen in Autofabriken erinnert, der aber auch schreiben und malen kann
  • die Cannybots, programmierbare Spielzeugautos, die Rennen gegeneinander austragen können

Fazit: Sowohl die Teilnehmer_innen (Kinder wie auch Erwachsene) als auch wir hatten bisher viel Spaß mit den Robotern. Zuverlässigkeit und geringe Einstiegshürden trugen dabei wesentlich zum erfolgreichen Einsatz auch in Projekten mit jüngeren Schüler_innen bei. Vorkenntnisse sind dabei nicht erforderlich, um bereits in wenigen Minuten zu sichtbaren Lernerfolgen und Erfolgserlebnissen zu kommen.

Ich freue mich über weitere Vorschläge für Roboter und Erfahrungsberichte in den Kommentaren.

Arbeitsbogen: Eigene Lehr- und Lernmaterialien als OER (Open Educational Ressources) Material veröffentlichen

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Im Rahmen unseres Projekts „Schüler machen OER“ habe ich für die Abschlusspräsentation der Schüler_innen einen Arbeitsbogen entworfen, der ihnen helfen soll, ihr Material mit einer CC-Lizenz zu versehen. Die Lizenzierung haben sie zusammen mit den Besucher_innen, zumeist ihren Eltern, gemeinsam vorgenommen. So konnte den Eltern gleichzeitig auch noch Wissen über OER und CC-Lizenzen vermittelt werden.

Der Arbeitsbogen ist ebenfalls OER-Material und kann in drei verschiedenen Formaten geladen, bearbeitet und verwendet werden. Verbesserungsvorschläge oder andere Hinweise gerne an mich:

OER lizenzieren Arbeitsbogen (DOC, 295 kB)

OER lizenzieren Arbeitsbogen (PDF, 140 kB)

OER lizenzieren Arbeitsbogen (PDF, 320 kB)

 

Die Diskussion um den Spiegel Artikel „Generation Null Blog“

Computer Kid

Der Spiegel  versucht in Ausgabe  31/2010, der Diskussion über die vermeintliche „Netzgeneration“ neues Leben einzuhauchen und dem ganzen einen prägenden Namen aufzudrücken, der zu Widerspruch reizt: „Generation Null Blog“: http://www.scribd.com/doc/35179685/Spiegel-Null-Blog (PDF)

Im Artikel wird auch speziell auf die Auswirkungen auf das Lernen eingegangen: So nutzen die Jugendlichen Google, können aber die Relevanz von Quellen kaum beurteilen. Sollten hier Lehrer wieder zu ihrer alten Autorität zurückfinden können?

Reaktionen gerade von Kollegen aus der Bildungsarbeit ließen nicht lange auf sich warten:

Martin Lindner kritisiert den unterschwelligen Tonfall des „Wir-haben-es-ja-schon-immer-gewusst“ und stellt die Frage, ob denn Lehrer wirklich besser als die Schüler googlen können: Warum wir den Schülern Web 2.0 (und die damit verbundenen Praktiken) beibringen müssen, auch wenn es sie gar nicht interessiert.

Rene Scheppler sieht die Frage nach einer „Internetgeneration“ generell als nicht entscheidend für den Einsatz digitaler Medien in der Schule an. Vielmehr gehe es darum, dass jeder Lehrer selbst entscheiden muss, ob der „verantwortungsbewusste, selbstgesteuerte Umgang mit den kommunikativen und informativen Möglichkeiten des Internets für die eigenen Schüler etwas ist, was es wert ist, zum integrativen Bestandteil des eigenen Unterrichtssettings zu werden oder eben nicht.“ (Wobei die Erwähnung der Stichwörter „verantwortungsbewusst, selbstgesteuert, kommunikativ und informativ“ dies schon fast zu einer rhetorischen Frage machen.): Ja, wo surfen sie denn? Spiegel findet die Net-Generation nicht

Matthias Schwenk kritisiert bei Carta, dass die Inhalte, die Kinder und Jugendliche konsumieren, zu wichtig eingeschätzt und dabei die vielfältigen technischen Kompetenzen über die sie verfügen zu sehr in den Hintergrund gedrängt werden. Er vermutet, „wer als Jugendlicher auf YouTube nur belanglose Videos anschaut, muss diese Plattform als Erwachsener nicht zwangsläufig in gleicher Weise nutzen: Er wird wissen, dass darüber auch politisch brisantes Material verbreitet werden kann“: Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie hören immer noch Musik

Seine Erklärung für die geringe Nutzung von Blogs und Twitter leuchtet ein: Jugendliche haben vorwiegend das Interesse mit einem engen Freundeskreis zu kommunizieren, während man sich mit Twitter und Blogs an eine größere Öffentlichkeit wendet.

Ähnlich Guido Brombach: „Insofern kann es nicht um die Generation Blog gehen, sondern um die Integration alternativer Medienkompetenzen in den Alltag.“ Und dazu gehört eben auch der Schulunterricht.: Generation Null-Blog.

Ich freue mich über Hinweise auf weitere Kommentare zum Spiegel Artikel.

Wie Berliner Schulen digitale Medien einsetzen

Der im Frühjahr 2010 erschienene 3. Berliner Innovationsatlas Schule gewährt einen interessanten Einblick in die Arbeit mit digitalen Medien in den Berliner Schulen. Der von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung herausgegebene Innovationsatlas enthält die Berichte von 114 Berliner Schulen (von insgesamt ca. 700), die sich für das Schuljahr 2007/2008 als eEducation Masterplan-Schulen beworben und daraufhin mit 16 bzw. 31 Notebooks je Schule ausgestattet wurden. Zusätzlich zu den Notebooks erhalten die Masterplan-Schulen die Möglichkeit an Lehrerfortbildungen teilzunehmen und müssen sich an einem der drei folgenden Projekte beteiligen: Roberta (Konstruktion von Lego-Mindstormrobotern durch Mädchen), eTwinning (europäische Schulpartnerschaften) oder INTEL Lehren (Online-Plattform für Lehrer).

Da ich es bis heute immer noch nicht geschafft habe, den 350 Seiten starken Innovationsatlas komplett zu lesen, habe ich zunächst mal eine unkonventionelle Auswertung der Berichte anhand einer Wordcloud und der Suchfunktion des Acrobat Readers vorgenommen.

Die aus dem Innovationsatlas erstellte Wordcloud zeigt auf den ersten Blick nichts außergewöhnliches: Alles dreht sich um Schule und Notebooks. Internet sucht man allerdings vergebens, einzig eMail und Online weisen daraufhin, dass es hier auch um Instrumente geht, die 98% der SchülerInnen bereits nutzen. Immerhin wird sichtbar, dass die Notebooks in einer ganzen Reihe von Fächern zum Einsatz kommen und nicht auf den ITG-Unterricht beschränkt bleiben.

Um Innovatives zu Tage zu fördern, bietet sich ansonsten noch die Suchfunktion im PDF-Dokument an. Auch wenn die Projekt bereits 2-3 Jahre alt sind, verwundert sehr, dass die aktuellen Internetdienste so gut wie gar nicht im Unterricht vorkommen: Google findet sich ganze zweimal im Dokument, einmal als Google Sketchup und einmal als Google Earth, Wikipedia ebenfalls zweimal, soziale Netzwerke tauchen gar nicht auf: Facebook, schülerVZ, Jappy Fehlanzeige! Chat kommt immerhin in sechs Schulen zum Einsatz. Auch die damit verbundenen medienpädagogischen Stichwörter: Datenschutz und Privatsphäre tauchen jeweils nur einmal auf. Es wäre wohl verwegen zu behaupten, dass der in einem Bericht vorkommende Satz: „Der Umgang mit den Gefahren, Viren, schädlichen Programmen, Datensicherheit und das Schützen der Privatsphäre werden ebenso vertieft, wie das Erstellen und Formatieren von Texten und kleinen Präsentationen“ schon so selbstverständlich ist, dass er ansonsten in keinem der Berichte auftaucht.

Und so zeigt der Überblick erstmal, dass es wohl noch ein langer Weg für die Schulen ist, bevor die Akzeptanz der digitalen Medien als Lerninstrumente und Lerninhalte, ähnlich hoch ist, wie die der gedruckten Medien. Ungeachtet dessen finden sich natürlich in einzelnen Berichten hervorragende Beispiel für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht. Es wäre zu wünschen, dass sich viel mehr Schulen daran orientieren.

Die Einschätzung der Projektleitung kann mehrdeutig verstanden werden. Zitat: „Nach vier Jahren Laufzeit kann festgestellt werden, dass der „eEducation Berlin Masterplan“ das Potenzial birgt, das gesteckte Ziel „Berliner Schule 2.0“ innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu erreichen.“ Ein „Potenzial“, das wohl eventuell erst noch geborgen werden muss und ein „überschaubarer Zeitraum“, unter dem zwischen einem und hundert Jahren wohl alles verstanden werden kann. Schließlich findet sich weder im Innovationsatlas noch auf den Webseiten der Senatsverwaltung etwas dazu, wie eine „Berliner Schule 2.0“ aussehen soll. Eine Suche im Web ergibt lediglich, dass wir wohl anscheinend auf dem richtigen Weg dorthin sind.

Wer sich selber ein Bild davon machen will, kann sich den Innovationsatlas als PDF unter http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/eeducation/innovationsatlas.pdf?download.html herunterladen.

Die Berichte von 53 weiteren Schulen, die im Schuljahr 200/2009 teilgenommen haben, werden im Herbst 2010 veröffentlicht.

Hinweise in den Kommentaren auf interessante Berichte im Innovationsatlas sind sehr willkommen.

Zu große Whiteboards für kleine Menschen

Seit ich nun endlich mal selber an einer praktischen Einführung zur Nutzung von interaktiven Whiteboards im Unterricht teilgenommen habe, weiß ich auch, was mich beim Ansehen von Filmen, die den Umgang von Kindern mit Whiteboards in Schulen zeigen, unbewusst immer irritiert hat: Die Kinder müssen sich recken und strecken und hin und her wandern, um an die Buttons und Scrollleisten der Oberfläche zu kommen. Oder es werden Stühle vor dem Whiteboard aufgebaut, damit die Kinder die obere Menüleiste erreichen.

Siehe z.B. hier: http://www.youtube.com/watch?v=YEJETecSXZw

Das war jetzt bei mir nicht ganz so schlimm, aufgefallen ist mir jedoch auch, wie schwer man sich vor allem auf Internetseiten zurechtfindet, wenn man in kleinem Abstand vor der Projektion steht und diese fast das gesamte Gesichtsfeld einnimmt. (Und man währenddessen auch noch versuchen muss, keinen Schatten zu werfen, damit auch für andere sichtbar bleibt, was man am Whiteboard tut.

Diese gewisse Unbehaglichkeit hat mich dazu motiviert, darüber nachzudenken und zu recherchieren, was denn nun der Mehrwert eines solchen Whiteboards im Unterricht überhaupt sein kann. Wobei erstaunlicherweise eine Internetrecherche nicht viel Brauchbares zu Tage förderte. Symptomatisch sind eher solche Zitate, wie dieses bei Lehrer Online: „Der Run auf die interaktiven Whiteboards hat begonnen. Zahlreiche Klassenzimmer werden derzeit mit digitalen Tafeln ausgestattet, und Lehrkräfte erhalten Einführungen in die individuelle Boardsoftware. Doch die methodisch-didaktische Ausbildung am neuen Medium bleibt bislang gänzlich auf der Strecke.“ (http://lehrer-online.de/interaktive-whiteboards.php)

Leider wird sehr oft als Begründung für den Einsatz von interaktiven Whiteboards der Vergleich mit Kreidetafeln herangezogen, was mir nicht sehr logisch erscheint. Zitat aus „Interactive Whiteboards in Berliner Schulen, Ergänzung des „eEducation Berlin Masterplan”: „In jeder Form des Unterrichts stellt die herkömmliche Kreidetafel das zentrale grafische Kommunikationsmedium in einem Unterrichtsszenarium dar. Mit einem „Interactive Whiteboard“ ist es nun jedoch möglich, das zentrale Unterrichtsmedium „Kreidetafel“ für interaktive Lernszenarien zu nutzen. Ein „Interactive Whiteboard“ ermöglicht die Präsentation vorbereiteter oder sich im Unterricht entwickelnder medialer Lerninhalte, die elektronisch aufbewahrt, wieder verwendet und sogar den Schülerinnen und Schülern elektronisch zur Verfügung gestellt werden können. Schülerinnen und Schüler sowie das pädagogische Personal erhöhen damit nicht nur die eigene Medienkompetenz, ein „Interactive Whiteboard“ gibt auch die Möglichkeit, kollaboratives Lernen medial unterstützt erlebbar zu machen und dadurch den Lernerfolg zu erhöhen.“ (http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/eeducation/ergaenzung_eeducation_masterplan_2009.pdf)

Das eigentliche Problem zeigt sich vielleicht hier schon im ersten Satz: „In JEDER Form des Unterrichts …“. Denn das scheint gewollt zu sein: das Whiteboard zementiert den Frontalunterricht, methodisch hat man hier nichts gewonnen. Und alle Vorteile, die für Whiteboards angegeben werden, gelten so auch für den PC Einsatz mit angeschlossenem Beamer:

  • Integration verschiedener Medien
  • Mehr Möglichkeiten der Visualisierung (dynamische Tafelbilder)
  • Möglichkeit, Tafelbilder abzuspeichern und weiterzugeben
  • Interaktivität

An dieser Stelle müsste man einen faireren Vergleich machen: zwischen einem interaktivem Whiteboard und dem Einsatz von PC und Beamer im Klassenraum. Alternativ könnten z.B. in einer Laptopklasse die SchülerInnen von ihren Plätzen aus die Projektion beeinflussen und sich dort interaktiv beteiligen. Selbst mit nur einem Laptop in der Klasse könnte dieser ja herumgereicht oder zumindest zentral platziert werden. Bleibt für mich die Frage, ob die Intention, dass der/die SchülerIn aufstehen, sich durch den Klassenraum bewegen und sich dann herausgehoben vor der Klasse präsentieren muss, schon an sich so pädagogisch wertvoll ist und ob das den erheblich höheren finanziellen Einsatz und vor allem auch die mit den interaktiven Whiteboards nötig gewordenen zusätzlichen Schulungen rechtfertigt.

Einen Vorteil, der vielleicht nur ungern benannt wird, sehe ich aber: Whiteboards können eine Art trojanische Pferde sein, mit denen die Integration neuer Medien im Unterricht auch an KollegInnen herangebracht wird, die bisher die Finger von Computern gelassen habe. Hier wird allerdings oft angemerkt, dass Whiteboards einen niedrigschwelligen Zugang mit sich bringen. Das kann ich jetzt aus der Erfahrung nicht bestätigen. Derzeit bringt jedes Whiteboard eine zusätzliche Software mit, die auf das bestehende Betriebssystem und Programme aufsetzt und damit eine weitere Softwareschulung nötig macht. Gefragt sind hier vielleicht kreative Programmierer, die Live-CDs für interaktive Whiteboards entwickeln, die nur Programme für den Einsatz des Whiteboards mitbringen und die Systemoberfläche auf das nötigste reduzieren.

Der Gerechtigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass der zusätzliche Layer, den man z.B. mit der Smartboard Software „Notebook“ über den normalen Desktop legen kann, eine wirklich gute Idee für Softwareschulungen ist. Viel besser kann damit durch Malen großer Pfeile etc. auf Menüpunkte und Funktionen hingedeutet werden. SchulungsteilnehmerInnen haben ja oft Schwierigkeiten dem kleinen Mauszeiger auf der Projektion zu folgen. Nur dazu reicht eigentlich auch schon die Software auf dem Dozentenrechner, ein Board wird dazu eigentlich nicht benötigt. (Achtung: Die Lizenz der Software schreibt vor, dass sie nur zusammen mit dem Smartboard eingesetzt werden darf.)

Smart-Notebook

Notebook-Software des Smartboard

Ich war auch fest davon überzeugt, dass Whiteboards multitouchfähig sind. Da hätte mir der Mehrwert sofort eingeleuchtet. Mehrere Personen können gemeinsam davor agieren, Kinder zusammen an Bildern malen und was man erst für tolle Spiele hätte entwickeln können. Zum anderen würden damit auch einige beschwerliche Wege der Arme vermieden. Apple hat es mit den Multitouchpads der Mac Books vorgemacht. Der Finger muss nicht erst weit zum Scrollbalken des Fensters ausholen, mit zwei Fingern gleichzeitig lässt sich direkt im Fenster scrollen. Und da wäre gerade für Whiteboards einiges denkbar: mit mehreren Fingern greifen, mit der Handfläche wischen, etc.. Und auch der Rechte-Maustaste-Klick, den man jetzt erst umständlich durch vorheriges Drücken eines Knopfes unterhalb des Smartboards aktivieren muss, liesse sich ganz einfach durch gleichzeitiges Ruhen des Daumens auf dem Board durchführen.

Meine Prognose für interaktive Smartboards ist keine gute: Ähnlich wie den Sprachlaboren der 70iger Jahre, bei denen auch die Hoffnung bestand, neue Technologie führt automatisch zu neuem Lernen, wird wohl interaktiven Whiteboards nur eine sehr kurze Lebensdauer beschienen sein. Natürlich wird die Visualisierung von Lerninhalten oder Ergebnissen für eine Gruppe durch eine Projektion (an der Wand oder auch holografisch im Raum) immer eine große Rolle in Bildungssettings spielen. Die Bedienung aber wird in einigen Jahren wohl eher über Touchscreens vom eigenen Rechner oder auch durch Gestensteuerung erfolgen können. Dafür gibt es ja mit den aufkommenden Tablet PCs und dem Natal-Projekt als Steuerung für die Xbox von Microsoft schon reale Vorbilder. Nach Vorne zur „Tafel“ gehen muss dann niemand mehr. Bleibt nur noch die Hoffnung, dass es ein „Vorne“ dann auch nicht mehr geben wird.

Ein paar Links noch zum Thema:

Ich freue mich über Ihre/eure Meinung zum Thema und gerne noch weitere Hinweise auf Informationen zum Thema im Netz.

Bildungsreform: Auf dem Weg zu den Sternen

Bildungspolitiker jammern ja gerne über die vielen Anfragen nach neuen Schulfächern. Eines hat es nun doch geschafft und Thüringen damit in der Bildungsdebatte ganz nach vorne katapultiert: Astronomie ist nun verbindliches Fach in der 10. Klasse der Thüringer Gymnasien. Jetzt frage ich mich, ob die Entscheidung auf der Besorgnis beruhte, dass sich Thüringer Schüler demnächst auf ihrem Raumflug zwischen Alpha Zentauri und Andromeda verfliegen könnten oder doch auf adoleszenten Traumata von romantischen Dates unter klarem Sternenhimmel beruht, bei denen man dann seinem Liebsten/seiner Liebsten nicht einen einzigen Stern benennen konnte.

Vielleicht wäre es aber doch besser gewesen, Astronomie als Querschnittsaufgabe zu definieren, schließlich spielen die Sterne nicht nur in Physik und Chemie eine entscheidende Rolle, sondern auch in Geschichte (und zwar gleich in der ersten Stunde), Literatur, Religion und natürlich Kunst. Aber vielleicht hat man hier auch einfach aus den Erfahrungen mit Medienbildung gelernt, die, einmal als Querschnittsaufgabe definiert, in der Schule nun von einem Fach zum anderen geschoben wird und doch nirgends wirklich ankommt. Aber das ist eine andere Geschichte….  Ich plädiere nun jedenfalls für den ersten deutschen Weltraumbahnhof auf Thüringer Boden.