Cyberwizard – Bildung und Digitale Medien

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Augmented Reality in der Medienarbeit

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(Der Artikel wurde erstmals veröffentlicht am  14.11.2011 im Medienpädagogik-Praxis-Blog)

Wer möchte nicht schon mal gerne seine Realität erweitern? Augmented Reality (AR) verspricht genau das, wenn auch nicht ganz so spektakulär, wie dieses neue Buzzword vielleicht glauben macht. AR-Apps auf Smartphones nutzen Kompass, GPS- und Videofunktionen, um zusätzliche Informationen über bestimmte Orte, die sogenannten POIs (Points-of-Interest), in ein Livekamerabild einzublenden: in welcher Richtung ist die nächste Bushaltestelle, wo ein Geldautomat, in welchen Häusern sind Wohnungen zu vermieten etc. . Zumeist sind das Einblendungen von Icons oder Markern, die anklickbar sind und ein Fenster mit Informationstext und Fotos öffnen. Mittlerweile können das auch 3D-Objekte sein, die dann am Orginalort eine virtuelle Berliner Mauer wieder auferstehen lassen.

Für den Einsatz in der medienpädagogischen Arbeit bieten sich vielfältige Möglichkeiten. Immer wenn es um Inhalte geht, die mit festen Orten verknüpft sind, lassen sich diese alternativ zu einer Kartendarstellung als AR-Anwendung umsetzen: von geschichtlichen Ereignissen über architektonische oder ökologische Besonderheiten bis hin zu aktuellen Orten der Jugendkultur. Insbesondere die optionale Verwendung von 3D-Objekten fördert den kreativen Medienumgang: so kann ich mit eigenen virtuellen Skulpturen das Straßenbild bereichern oder gleich eine komplette computergenerierte Stadt zum Durchwandern erschaffen. Am attraktivsten ist sicher die Entwicklung von Handyrallyes mit Wettbewerbscharakter, der sich ja oft als sehr motivierend erweist. Wie sich ortsbezogene Informationen mit Aufgaben verknüpfen lassen und daraus ein Spiel entsteht, schildere ich im folgenden Text.

Augmented Reality Apps

Die drei bekanntesten AR-Apps sind Layar (www.layar.com), Wikitude (www.wikitude.com) und Junaio (www.junaio.com), die sowohl auf iPhones als auch auf Android-Handys laufen. Bei jedem der Programme entscheide ich selber, welche Art von Informationen ich über meine Umgebung erhalten will. Über den Startscreen der App kann ich aus einer Vielzahl vorhandener Ebenen die mich interessierende auswählen. Die Informationsebenen (in der Layar-App heißen diese Ebenen, bei Wikitude Worlds und bei Junaio Channel) sind kein fester Bestandteil der Programme, sondern können von ganz unterschiedlichen Servern geladen werden. Deshalb spricht man bei den Apps auch von AR-Browsern.

Alle Anbieter erlauben, eigene Ebenen zu erzeugen und zu laden. Die Ebeneninhalte können auf dem eigenen Server abgelegt werden, der allerdings über bestimmte Librarys verfügen muss. Die Ebenen müssen mit einer bestimmten Syntax programmiert werden. Einfacher ist es, einen Hostingservice zu nutzen, bei dem die eigenen AR-Ebenen gespeichert werden und die über einfach zu bedienende Webformulare das Anlegen der POIs ermöglichen. In jedem Fall muss die Ebene immer beim jeweiligen AR-Webdienst angemeldet werden.

Der Workshop

Die Möglichkeit, in einem Bildungsworkshop mit Jugendlichen eine eigene AR-Ebene zu programmieren, habe ich mit meinem Verein Metaversa e.V. (www.metaversa.de) im September 2011 erstmalig ausprobiert. Unter dem Titel “Surfing the streets” (surfingthestreets.wordpress.com) luden wir Jugendliche in den Herbstferien ein, gemeinsam ortsbezogene Dienste auf Handys auszuprobieren. Inhaltlich ging es um das Leben im Berlin der zwanziger Jahre wie es im experimentellen Dokumentarfilm „Sinfonie einer Großstadt“ von 1927 dargestellt wird. Die Jugendlichen recherchierten zur damaligen Lebenssituation der Menschen und versuchten bei einem Stadtrundgang die im Film vorkommenden Orte wieder zu finden.

Insgesamt entstanden acht kleine Ortsportraits, zum Teil noch ergänzt um kurze Videointerviews mit Passanten, deren geschichtliche Kenntnisse überprüft wurden. Zur Umsetzung als AR-Ebene entschieden wir uns für Layar als App und den Hostingservice Hoppala (www.hoppala.eu), der nach unserer Recherche die meisten Funktionalitäten anbietet. Um die Nutzung unseres Layers auch im Anschluss an den Workshop für andere interessant zu machen, wurde daraus eine Handyrallye gestaltet, indem Quizfragen in die Beschreibung der POIs integriert wurden, verbunden mit der Chance auf einen Gewinn, wenn alle Orte aufgesucht und die Fragen korrekt beantwortet werden.

Eigene AR-Ebene anlegen

Erforderlich ist eine Registrierung als Developer sowohl bei Layar, als auch bei Hoppala. Hoppala gestatte das kostenlose Anlegen unbegrenzter Ebenen mit bis zu insgesamt hundert POIs (die hier Augments genannt werden), die dann aber ein Hoppala-Branding tragen. Möchte man dies nicht, oder benötigt mehr Punkte, kostet der Dienst 50 Euro/Jahr. Ein großer Vorteil von Hoppala ist, dass die hier eingegebenen Augments auch gleichzeitig für Ebenen bei Wikitude und Junaio genutzt werden können. Layar ist für Developer kostenlos wenn weniger als 10.000 Abrufe von POIs pro Monat stattfinden.

Der erste Schritt zu einer eigenen AR-Ebene beginnt bei Layar. Nach dem Einloggen als Developer lege ich einen eigene Ebene (Layer) an und gebe dieser einen Namen. Als nächstes werden bei Hoppala die POIs bestimmt. Dazu wird auch dort eine neue Ebene angelegt, die den selben Namen bekommen muss. Auf einer Google Map können per Mausklick die Marker an den gewünschten Orten platziert und mit Informationen versehen werden.

Außer einem Titel können einem POI ein Foto und drei sehr kurze Textzeilen zugewiesen werden und verschiedene Aktionen (Actions), die Interaktionen ermöglichen, sobald der Punkt ausgewählt ist. Das kann zum Beispiel ein Link zu einer Webseite sein, ein Videoaufruf oder das Starten eines Telefonanrufs.

Sind alle POIs bei Hoppala angelegt, werden die Grundeinstellungen der Ebene bei Layar vorgenommen. Das wichtigste dabei ist das Eintragen der sogenannten API Endpoint URL, die Layar sagt, auf welchem Server die POIs gespeichert sind. Diese URL stellt Hoppala bereit (Overlay URL). Bei Layar werden außerdem festgelegt: ein Infotext zur Ebene mit Startbild, ein Icon und die farbliche Gestaltung der Infoboxen und des Textes. Wichtig ist vor allem auch, einen Ortsbereich festzulegen, an dem sich die POIs befinden. Die Ebene wird mir dann als Layar-Nutzer unter der Kategorie “Lokal” angezeigt, sobald ich mich in der Nähe befinde.

Der letzte Schritt ist das Einreichen der Ebene zur Freischaltung bei Layar. Es empfiehlt sich, die Ebene vorher ausgiebig zu testen. Das ist ganz leicht möglich, indem ich mich in der Layar-Smartphone App mit meinem Developeraccount einlogge. Auch auf noch nicht freigegebene Ebenenentwürfe kann ich dann direkt zugreifen. Das anschließende Prüfen durch Layar dauert in der Regel drei bis fünf Tage und wird per Mail bestätigt, zum Teil mit Hinweisen, wie die Ebene noch verbessert werden kann.

Gestaltung einer Handyrallye

Layar ist nicht unbedingt dafür ausgelegt, eine Spielsituation zu erzeugen, wie etwa den nächsten Ort einer Stadtrallye erst nach Lösung einer Aufgabe anzuzeigen. Es gibt aber zwei Eigenschaften, die der Ebene bzw. den POIs zugewiesen werden können, die dabei sehr hilfreich sind. Zum einen kann für die Ebene generell festgelegt werden, bis zu welcher Entfernung POIs noch sichtbar sind. Damit kann ein Ausgangspunkt festgelegt werden und alle anderen Orte werden erst sichtbar, wenn ich mich ihnen nähere. Die zweite Funktion betrifft die einzelnen Orte, hier kann ich entscheiden, wie nah ich dem Punkt sein muss, um eine Aktion auszulösen, also z.B. einen Link zu einer Webseite anzuzeigen oder eine Audio- oder Videodatei abzuspielen.

Für unsere Stadtrallye haben wir dies genutzt, in dem die einzelnen POIs so programmiert wurde, dass die Links zu den Quizfragen erst sichtbar werden, wenn ich mich näher als 400 Meter vom Ort entfernt befinde. Eine Reihenfolge der Stationen war uns egal, d.h. alle Orte werden gleichzeitig angezeigt, jedenfalls wenn man sich in der Innenstadt Berlins bewegt.

Fazit

Die Jugendlichen hatten sehr viel Spaß im Workshop, an erster Stelle natürlich dabei, in der Stadt mit Fotoapparat und Video unterwegs zu sein. Augmented Reality Apps hatten sie vorher noch nie genutzt und kannten diese nicht einmal, waren aber natürlich schnell dabei, die von uns zur Verfügung gestellten Smartphones auszutesten. Und warten jetzt natürlich gespannt auf die ersten Einsendungen des richtigen Lösungsworts zur “Sinfonie einer Großstadt”-Ebene bei Layar. Zumindest laut der Statistik, die Layar auch über jede Ebene führt, wird unsere Statdrallye bis zu 30 mal täglich aufgerufen.

Für Berliner und Brandenburger Bildungseinrichtungen bieten wir an, sich unsere fünf Smartphones auszuleihen und entweder damit das historische Berlin der zwanziger Jahre zu entdecken oder gerne auch mit unserer Unterstützung eigene Layar-Ebenen zu programmieren.

Projektwebseite: surfingthestreets.wordpress.com

Written by lange

Dezember 28th, 2011 at 9:29 pm

Augmented Reality – der nächste Hype

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Das vor einigen Wochen erschienene iPhone 3GS war dann wohl der Durchbruch für “Augmented Reality für Mobiltelefone”, jedenfalls wenn ich die zunehmende Zahl von Blogbeiträgen über neue AR-Anwendungen in meinem Feedreader sehe. Sehr motivierend, um mal alle Clippings meines Newsreaders und meine Delicious-Bookmarks zusammen zu tragen und ins Cyberwiki einzutragen (Wiki=jeder/jede darf mitmachen!).

Apple war gut beraten, ins 3GS einen Kompass einzubauen, wie ich mir das schon im Artikel vom April über Wikitude gewünscht hatte. Dort hatte ich mir von Wikitude auch eine offenere Plattform gewünscht, um eigene Inhalte in den AR-Browser, den es damals schon für Android-Phones gab, zu bringen. Mit Wikitude.me hat Mobilizy inzwischen diesen Weg beschritten. Dort können Nutzer ihre eigenen Point-of-interests veröffentlichen, die der Wikitude-Browser anzeigt. Ein m.E. besseres Konzept bietet Layar. Hier können komplette eigene Layer zur Informationsüberlagerung des Videobilds des Handys programmiert werden. Und neben den derzeit beliebten Nächster-Bus- und nächstgelegene U-Bahn-Station-Anwendungen wird damit der Weg frei für eine neue Runde im Mobile Learning mit AR-Anwendungen von historischen Stadtrundgängen, literarischen Schauplätzen u.v.a. mehr. (Ich freu mich ja schon auf viele neue Arten von Location-based Games;-))

Meine kompletten Notizen zu Augmented Reality unter: http://cyberwizard.de/cyberwiki/index.php?title=Augmented_Reality

Der neueste Player im AR-Browser Markt ist Robotvision:

P.S.: Ich würde mal sagen, apple wäre auch gut beraten, wenn sie den ganzen Kram* auch in ihr Tablet einbauen. *GPS, Kompass, Accelerometer, Kamera

Written by lange

August 30th, 2009 at 9:19 pm

Augmented Reality in der Praxis: Wikitude

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Wahrgenommen hatte ich Wikitude (Untertitel: AR Travel Guide) von Mobilizy schon vor einiger Zeit, mich aber damals nicht gefragt, wie die das denn überhaupt machen.

Wikitude stellt Wikipedia-Artikel (und Panoramio-Fotos und Qype-Artikel) die mit Geodaten versehen sind in einer “Augmented Reality” Kameraansicht dar. Das aktuelles Videokamerabild des G1 Handys wird dabei von den Infos aus Wikipedia überlagert.

Die re:publica brachte da jetzt die Aufklärung und mir auch eine überraschende Erkenntnis: das Google G1 verfügt bereits über einen eingebauten Kompass.

Am besten man schaut sich das selber im Film an:

Was für ein cooles Tool die beiden da aber entwickelt haben, scheint ihnen selber gar nicht so klar zu sein. Vielleicht fehlen da Programmierern auch die Phantasien. Jedenfalls ist ihre Idee im Moment eher, das ganze für Reise- und Sehenswürdigkeiten Informationen zu nutzen, dabei lassen sich aber ganz einfach die verschiedensten Datenbanken mit dem Livevideobild der Kamera verknüpfen. Auf die Nachfrage, ob sich das nicht auch gut für interaktive Spiele in der realen Welt eignet, wurde leider nur entgegnet, dass das aus Zietgründen keine Priorität hat….  ??? Hmm, ob Hotelinfos wirklich die bessere Idee zur Verbreitung der Software sind?

Mobilizy täte gut daran ihr Wikitude eher als eine Art Augmented Reality Browser zu betrachten und den NutzerInnen die Verknüpfung mit eigenen Datenbanken zu ermöglichen, ähnlich wie es in Google Earth mit KML-Files gemacht werden kann. Dann wird sich nämlich das ganze Potenzial einer solchen Anwendung zeigen.

Und wenn es Mobilizy nicht macht, wird es in wenigen Wochen eine andere Firma machen. Und weil ich schon beim Gute-Ratschläge verteilen bin: Hallo Apple, ins nächste iPhone gehört ein Kompass!

Written by lange

April 15th, 2009 at 8:21 am

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