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Posts tagged ‘Bildung’

Augmented Reality (AR) in der Medienbildung – neue Möglichkeiten mit Apples ARKit

Nachdem es nach der Einstellung von Googles Augmented Reality-Brille um AR im letzen Jahr etwa ruhiger geworden ist, befeuert jetzt Apple den Hype mit der Vorstellung eines eigenen ARKit. Das ARKit soll im neuen IOS 11, das Herbst 2017 veröffentlicht wird, App-Entwicklern zur Umsetzung von AR zur Verfügung stehen, bzw. lässt sich jetzt schon in der Beta ausprobieren.

Ich bin ja schon länger von der praktischen Anwendung von AR überzeugt und sehr früh haben wir mit Metaversa verschiedene AR-Apps und Webdienste in der medienpädagogischen Arbeit eingesetzt. Dabei hat sich mit der zunehmend besser werdenden Technik der Inhalt der Projekte gewandelt. 2011 war es zunächst die Erstellung von Stadtrallyes bei denen die anzusteuernden Orte als POIs (Point of Interest) in einer AR-Darstellung bei Layar und bei Junaio (von Apple gekauft und eingestellt) angezeigt wurden. Später lag der Schwerpunkt in den Projekten auf markerbasiertem AR, bei dem Bilder, Grafiken etc. genutzt werden, um sie mit virtuellen Informationen zu überblenden. Ein Beispiel dafür ist unsere AR-Rallye Through the Looking-Glass, die die App Aurasma nutzt und die von unserer Webseite zum Ausprobirieren heruntergeladen werden kann. Die App Augment nutzten wir, um mit AR computergenerierte 3D-Objekte in der physischen Realittät darstellen zu können. Im dem mit Jugendlichen im einem Ferienworkshop 2013 gedrehten Film „Minecraft Reality“ waren das selbstgebaute Minecraft Objekte, die in die physische Realität projeziert wurden.

Zwei entscheidende Hürden standen bisher der weiteren Verbreitung von AR-Anwendungen im Weg. Zum einen musste immer ein Handy oder Tablet genutzt werden, das einen nur sehr begrenzten Ausschnitt zeigen konnte und zudem immer erforderte, Handy oder Tabelt (Google Glass war eine erste wenn auch sehr unzureichende Lösung des Problems, mittlerweile bemühen sich hier aber auch andere Firmen wie Microsoft mit der Holo Lens und Magic Leap). Zum zweiten war die Darstellung und stabile Platzierung der virtuellen Objekte im Raum abhängig von der Genauigkeit des Trackers, entweder des GPS Signals (sehr ungenau, insbesondere was die Höhenkoordinate anging) oder eines ausgedruckten Markers bzw. vorhandenen Bildes, das dann aber auch ständig in der Kameraansicht zu sehen sein muss.

Für das zweite Problem scheint Apple nun mit dem ARKit eine sehr gute Lösung gefunden zu haben. Damit sind Apple zwar nicht die ersten, die ersten Apps, die das ARKit nutzen, zeigen aber eine erstaunlich große Positionsgenauigkeit und Stabilität. Damit muss kein physischer Marker mehr im Raum vorhanden sein, an den das virtuelle Objekt gebunden wird. Apple erreicht diese Genauigkeit durch eine Auswertung der verschiedenen in iPhones und iPads vorhanden Sensoren wie Kompass, Accelerometer und Gyroskop in Kombination mit Bilderkennungstechnologien, die berechnen können, wie sich der dreidimensionale Raum um sie herum darstellt. Das Handy oder Tablet erstellt eine dreidimensionale Karte der Umgebung und errechnet seine genaue Position und Lage in diesem Raum. Die Technik dazu heißt Visual-Inertial Odometry (VIO) und scheint wohl von Qualcomm entwickelt worden zu sein. Sie soll auch das in der Robotik bestehende SLAM-Problem (Simultaneous Localization and Mapping; deutsch: Simultane Lokalisierung und Kartenerstellung) lösen.

Auch Google arbeitet schon länger an diesen Technologien. Googles Projekt heißt „Tango“ und ist bereits auf einigen wenigen Smartphones verfügbar. Die Nutzung ist eingeschränkter, denn Tango setzt das Vorhandensein mehrerer Kameras voraus, die aktuell nur in wenigen Smartphones eingebaut sind. (Update 30.8.17: Google gibt die Einstellung des Projekts „Tango“ bekannt, Nachfolgeprojekt ist „ARcore“, das nun weniger Voraussetzungen mitbringt und auf mehr Smartphones laufen wird.)

Inzwischen gibt es zahlreiche Beispiele des Einsatzes von Apples ARKits von Entwicklern, die die Betaversion von iOS 11 nutzen:

Neue Gameoptionen:

Nur mit physischen Markern wäre es nicht möglich, solche Räume auch virtuell zu betreten:

Und einen extrem praktischen Nutzen gibt es auch:

Und bei dieser Killer-App sowieso:

Noch fehlt anscheinend die Funktion, dass sich die virtuellen Objekte auch hinter physischen Gegenständen verstecken können, bzw. von diesen teilweise verdeckt werden, vermutlich nur eine Frage der Zeit. Aktuelle Gerüchte besagen, dass Apple im iPhone 8 3D-Laser-Sensoren auf der Rückseite verbauen wird, die den Abstand zu Objekten sehr genau berechnen können. Und schließlich wird seit einigen Jahren bereits über eine Apple eigene AR-Brille spekuliert.

Dankenswerterweise hat hat sich die Anzahl der Apps, die es erlauben, auch eigene Inhalte einzubinden, in den letzten Jahren stark erhöht, im Gegensatz zu Apps die lediglich vorgegebene Inhalte bieten. Ich bin sehr gespannt, welche Apps uns ab Herbst mit dem ARKit zur Verfügung stehen und welche neuen kreativen Möglichkeiten für die medienpädagogische Arbeit sich daraus ergeben.

Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016

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Am 18. September 2016 wird nach fünf Jahren das Abgeordnetenhaus in Berlin neu gewählt. Es wird also Zeit, sich mal in die Wahlprogramme der Parteien einzulesen und nach relevanten Aussagen zur Medienbildung zu suchen. Das hatte ich bereits 2011 gemacht. Im Nachhinein muss ich erschreckt feststellen, wie gering der Stellenwert der Medienbildung damals noch bei einigen Parteien war. So lässt sich nun aber auch überprüfen, was aus den damaligen Versprechen der Parteien geworden ist. Fairerweise geht das natürlich nur bei den Regierungsparteien CDU und SPD:

Wahlprogramme 2011 – Cybermobbing einen Riegel vorschieben

Die CDU konnte nicht viel falsch machen, hatte sie doch 2011 lediglich eine Idee zur Medienbildung im Wahlprogramm:
„Dem Phänomen des Mobbing im Internet (häufig als „Cyber-Mobbing“ bezeichnet) schnellstmöglich ein Riegel“ vorschieben – wurde nicht so wirklich umgesetzt.

Auch die SPD glänzte 2011 nicht unbedingt mit originellen Ideen:

  • „Um die Ausstattung der Schulen mit Computern zur bedarfsgerechten Medienbildung zu verbessern, bauen wir die Kooperation mit Privaten aus.“ War da was?
  • „Wir werden die Anzahl der Kooperationsvereinbarungen zwischen den Schulen und den Bibliotheken zur Leseförderung und zum Erwerb von Medienkompetenz erhöhen, indem wir die Rahmenbedingungen verbessern.“ Ist mir auch nicht bekannt geworden.
  • Immerhin: „Medienkompetenz und kulturelle Bildung und die damit einhergehende Entwicklung sozialer und kreativer Kompetenzen sollen an den Schulen stärkeres Gewicht erhalten.“, ist zumindest in die neuen Rahmenlehrpläne in Form des Basiscurriculum Medienbildung eingeflossen. Welche Unterstützung die Schulen bis zum Inkrafttreten zum Schuljahr 2017/18 zur Implementierung bekommen, scheint aber noch nicht klar zu sein.

 

Medienkompetenzförderung in Berlin – ein Trauerspiel

Wer mir bei Twitter oder Facebook folgt und auch meine Arbeit im Vorstand der LAG Medienarbeit kennt, weiß, dass ich mit der Medienkompetenzförderung der Berliner Bildungsverwaltung in den letzten Jahren nicht besonders glücklich war. Und dies vor allem aus der Perspektive, dass Berlin vor 10-15 Jahren schon mal eine fast eine Vorreiterrolle in Deutschland hatte: mit gemeinsam erarbeiteten Standards für Medienbildung in der Jugendarbeit, mit der Berliner Mailbox Spinnenwerk und zahlreichen Fachtagungen, in denen bereits frühzeitig Medienthemen pädagogisch bearbeitet wurden.

Seitdem herrscht von Seiten der Jugendarbeit eher Stagnation in Form des Programms jugendnetz-berlin.de. Seit Jahren werden hier die bezirklichen Medienkompetenzzentren mit der immer gleichen Summe von 5000 Euro jährlich (!) am Leben erhaltengefördert. Andere Förderprogramme wie „StepsIntoFuture“, bei dem unkompliziert Medienprojekte für 500 Euro beantragt werden konnten und auch die Förderung berlinweiter, vernetzter Projekte wurden weitestgehend eingestellt. Stattdessen setzt die Bildungssenatorin gegen zahlreiche Expertenwarnungen seit 2015 auf ein eigenes Berliner Jugendportal, das 200.000 Euro im Jahr verschlingt und nach Projekthalbzeit absehbar keine besondere Relevanz entfaltet.

Auch auf Schulseite sieht es in Berlin nicht besser aus, sofern dort überhaupt ein Einblick zu erhalten ist, denn selbst der Abgeordnete Thomas Birk von Bündnis 90/Die Grünen erhält 2014 auf eine Anfrage die Antwort, Auskünfte an Außenstehende erteilt die Pressestelle der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Und entsprechend sehen dann auch die Webseiten der Senatsverwaltung zum Thema Schule und Medienbildung aus.

Auf der Senatswebseite zum Thema „Unterrichten mit Medien“ wird nicht einmal der immer wieder beschworene eEducation-Masterplan genannt oder verlinkt. Die neuesten Infos beziehen sich hier auf Open Educational Ressourcen (OER), bestehen aber lediglich auf einer Begriffsdefinition.

Auf der Webseite des Lernraum Berlins, einem berlinweiten Moodle für Schulen (durchschnittliche Logins pro Tag 2014: 1272, bei über 300.000 Berliner SchülerInnen), werden dann auch konsequent die Ziele des eEducation-Masterplan von 2005 zitiert.

Google findet ihn dann doch noch, den eEducation-Masterplan: http://masterplan.be.schule.de/ mit dem letzten Zwischenbericht von 2009. Hier finden sich immerhin die seit 10 Jahren bestehenden Teilprojekte: Roberta mit immerhin 50 teilnehmenden Schulen, das Internetseepferdchen (Berliner Internetführerschein) und eTwinning, das zumindest laut Webseite ein lebendiges Projekt zu sein scheint. Als neues Projekt in den letzten Jahren ist dort „MYOP – make your own product“ dazugekommen: 2013 erhielten zwei der 700 Berliner Schulen einen 3D Drucker und einen 3D Scanner. Da wundert es auch gar nicht, wenn das aktuellste Projekt: „Second Hand IT für Berliner Schule“ heißt.

Die Opposition hat sich hingegen kurz vor Schluss mit dem Antrag „Berlins Zukunft sichern – jetzt Konzept für die Bildung mit digitalen Medien vorlegen“ ein Bienchen verdient.

 

Wahlprogramme 2016 – CDU favorisiert Apple

Aber ab 18. September kann ja nun alles anders werden. Immerhin ist damit zu rechnen, dass die bisherige Koalition aus CDU und SPD nicht fortgeführt werden kann.

Bei meiner diesjährigen Durchsicht der Wahlprogramme habe ich diesmal nur konkrete Umsetzungsvorschläge berücksichtigt. Medienbildung ganz allgemein finden inzwischen alle Parteien wichtig und toll.

In wechselnden Konstellationen finden sich bei allen Parteien gemeinsame Punkte:

  • die Förderung von frei lizenzierten Unterrichtsmaterialien (OER) (Ausnahme.: CDU)
  • Aus- und Fortbildung von Lehrkräften im „Digitalem Lernen“ (Ausnahme: SPD)
  • Die Förderung des Freifunk-Projekts (Ausnahme: SPD und CDU)
  • Zusätzliche Stellen für qualifiziertes Personal insbesondere für IT-Kräfte (Ausnahme: Bündnis 90/Die Grünen)

Einig sind sich alle neben der Weiterentwicklung von Schulen in der Stärkung außerschulischer Lernorte. Dies ist allerdings mit der Aufnahme der Verkehrsschulen, der Jugendkunstschulen und der Gartenarbeitsschulen ins Schulgesetz bereits verabschiedet worden. Nur die bezirklichen Medienkompetenzzentren wurden dabei vergessen. Bündnis 90/Die Grünen sind leider die einzigen, die das gerne ergänzen würden und die Medienkompetenzentren im Wahlprogramm explizit erwähnen.

Darüberhinaus haben die Parteien verschiedene weitere Ideen zur Medienkompetenzförderung entwickelt:

SPD

Dass sich mobile Geräte auch für die Bildung eignen, ist der Berliner SPD noch weitestgehend unbekannt. Hier wird beim bisherigen Kurs geblieben: Ziel ist es, jede Schule mit Whiteboards ausstatten, interessierte Schulen darüberhinaus mit Laptopklassen. Die SPD hat die Stärkung der Jugendarbeit in ihrer dezentralen Struktur und die Stärkung außerschulischer Lernorte im Wahlprogramm verankert, wie bereits beschrieben, leider ohne Medienzentren zu benennen. Informations- und Medienkompetenz wird als Aufgabe der Bibliotheken gesehen.
Man will außerdem die Aktivitäten im Land Berlin zur Steigerung der Medienkompetenz verstärken und eine „einheitliche Anlaufstelle“ schaffen. (Was immer das auch heißen soll, vielleicht eine Medienkompetenz-Hotline?) Der bisher nicht zustande Kooperationsvertrag mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, den es in Brandenburg seit einigen Jahren gibt, soll nun wohl doch angegangen werden. Im Wahlprogramm heißt es dazu: „Die Aktivitäten sollen mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg verzahnt werde.“ Und natürlich droht uns mit der SPD „der Ausbau des neuen Jugendportals“.

CDU

Leider ein bisschen zu spät, denn die neuen Rahmenlehrpläne wurden ja gerade (unter CDU/SPD) beschlossen, spricht sich die CDU für „Fachteams zur Überprüfung der Lehrinhalte und Erarbeitung digitaler Möglichkeiten des Wissenserwerbs“ aus. Lernstoffe sollen in Form von Apps die Schulöffentlichkeit erreichen. Gefordert wird eine Schule 4.0 mit WLAN, Whiteboards, Tablets und IT Experten vor Ort. Erstaunlicherweise offenbart der Finanzierungsvorschlag für neue Laptopklassen eine klare Präferenz für Apple, denn „Zur Finanzierung könnten Schulen z.B. dem erfolgreichen Vorbild der Friedrich-Bergius-Schule folgen, die in dieser Frage mit Apple zusammenarbeitet.“ Die Grundlagen des Programmierens sollen altersgerecht erlernt werden. Aus dem Vorschlag einer „einheitlichen Anlaufstelle“ wird bei der CDU die Gründung eines Fachreferats Digitale Bildung bei der Senatsverwaltung.

Bündnis 90/Die Grünen

Eine zentrale Stelle möchten auch Bündnis 90/Die Grünen, hier wird daraus eine „Koordinierungsstelle im Senat zur Steuerung des digitalen Aufbruchs“. Zusätzlich haben Bündnis 90/Die Grünen den begonnen Versuch der LAG Medienarbeit aufgegriffen und möchten einen Runden Tisch Medienbildung unter Leitung des Senats einführen. Programmieren soll in der Schule vermittelt werden, ebenso wie mehr Informationen zu Cybermobing und Gewalt im Netz. Der Informatikunterricht soll durch ethische, datenschutzrechtliche und soziale Fragen weiterentwickelt werden und dies auch mit Angeboten in der Grundschule. Ergänzt werden soll die Medienbildung um die Unterstützung von Eltern durch Angebote der Selbstregulation, Aufklärungs- und Informationskampagnen zu Gewalt im Netz und der Sensibilisierung für Datenschutz.

Die Linke

Als einzige der Partien hat sich Die Linke Gedanken gemacht, wie auch bundespolitisch Medienkompetenz gefördert wird und regt ein Bund-Länder-Programm für digitale Bildung mit Förderung eines mobilen Geräts pro Kind an. Ebenso wie die Abschaffung des Kooperationsverbots. Versprochen wird ein Wettbewerb und die Förderung für Mädchen und Frauen zum Erlernen und kreativen Nutzen von Programmiersprachen und Onlinetechnologien.

Piraten

Die Piraten haben leider nicht mehr viel neues Innovatives beizutragen. Neben den zusätzlichen IT Experten (bei den Piraten „Medienwarte“ gennant“) geht es vor allem um kostenlose Schulungen in Bedienkompetenzen für alle und der Einführung eines Fachs „Medienkompetenz“.

 

Kampagne „Medienbildung jetzt“

Wer sich weitere Inspirationen für den Wahlzettel holen will, sollte noch die Kampagne „Medienbildung jetzt“ beachten. Im Rahmen dieser gemeinsamen Kampagne der GMK Landesgruppe Berlin-Brandenburg und der LAG Medienbildung gab es neben veröffentlichten Wahlprüfsteinen und Fragen an die Parteien am 29.6.16 eine spannende Veranstaltung mit VertreterInnen von SPD, Grünen, Linken und den Piraten. Die CDU blieb sowohl der Veranstaltung fern, als auch die Übersendung der Fragen zu den Wahlprüfsteinen schuldig.

Auf der Kampagnenwebseite findet sich eine Transkription der Gesprächsrunde, die deutlich macht, wo die Medienkompetenzen bei den PolitikerInnen liegen: deutlich bei der bisherigen Opposition und nicht der SPD. Und hier wurde dann auch konstatiert, dass gerade bei der Lehrerausbildung Defizite bestehen und Nachbesserungsbedarf. Und auch auf die Situation der LehrerInnen an den Schulen wird sehr differenziert eingegangen. Während der Vertreter der SPD betont, dass LehrerInnen bei ausreichender Bereitschaft auch genügend Möglichkeiten haben, sich fortzubilden, sehen die VertreterInnen der Opposition die Notwendigkeit, die Arbeitszeiten der LehrerInnen zu verändern, um mehr Räume für innovative Unterrichtsmethoden zu schaffen und auch die Lehrpläne von einigen Inhalte zu entlasten. Einig waren sich zumindest hier alle Beteiligten, dass es sinnvoll ist, die Expertise möglichst vieler Akteure einzubeziehen, ob das nun in Form eines Runden Tischs oder eines vom SPD Vertreter vorgeschlagenen Beirats passiert, ist dann Sache der Koalitionsverhandlungen.

Disclaimer: Als Vorstand und Projektleiter der LAG Medienarbeit bin ich direkt durch die Kürzungen der Mittel für vernetzte Projekte betroffen und deshalb weder objektiv noch unparteiisch. Korrekturen, Kritik und Anmerkungen nehme ich gerne entgegen, per Mail oder in den Kommentaren.

Hier geht es dann zum Update in 2021: Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021

Learnist: Pinterest für Lerner

Ich habe ja schon lange einen Faible für Informations- und Wissenmanagement im Netz. Angefangen mit den ersten selbstprogrammierten Datenbanken über meine Wikis Web 2.0 (völlig veraltet) und 3DBildungswelten (ziemlich veraltet) und Delicious, das ich bis heute gerne als Bookmarkablage nutze, schaue ich mir doch immer wieder gerne neue Tools an. Gerade was Infosharing angeht tut sich hier im Moment sehr viel. Und zu meiner großen Befriedigung tut sich auch etwas beim Design (gerade Mediawiki fand ich immer furchtbar).

Seit einiger Zeit ist mein favorisierter Dienst scoop.it. Übersichtlich, gut zu handeln und der Dienst schlägt selber zum Thema passende Beiträge vor. Mit Pinterest konnte ich mich bisher nicht anfreunden, insbesondere weil es sehr auf Bilder fokussiert ist und sich m.E. damit nicht alle Themen darstellen lassen. Nun gibt es aber seit einigen Wochen mit Learnist eine sehr stark an Pinterest angelehnte Alternative, mit dem erklärten Ziel „Wissen zu teilen und von anderen zu lernen“.

Auch hier werden einzelne Webseiten abgespeichert, versehen mit einem Vorschaubild und einem erklärenden Text. Diese Einheit heisst „Learning“. Learnings zu einem Thema werden linear geordnet und bilden dann ein „Board“. Die Idee dabei ist, dass die Lernboards so in einer vorgegebenen Reihenfolge von den Lernern „abgearbeitet“ werden, im Grunde also ein kleiner Onlinekurs entsteht. Fehlt das passende Material aus dem Netz können auch Learnings bestehend aus eigenen Bildern und Texten hinzugefügt werden. Auch andere Boards können ein Learning bilden. Damit kann dazu eingeladen werden, an einer Stelle des Boards das Thema weiter zu vertiefen.

Learnist auf dem iPad

Hört sich simpel an, bietet aber eine Menge Möglichkeiten und ist optisch sehr ansprechend, wie ich finde. Genauso gelungen ist auch die iPad App, bei der man ganz iPad-like durch die Boards wischt. Mir hat es jedenfalls sehr viel Spass gemacht, Boards anderer Leute zu entdecken und zu durchstöbern.

Gut umgesetzt sind auch alle sozialen Features. Ich kann die Boards anderer Leute liken, kommentieren und sowohl bestimmten Boards als auch Leuten folgen. Änderungen und Aktualisierungen werden mit auf meiner Learnist-Homepage angezeigt. Ich kann sehen, wer wem folgt und wer welche Boards mag und werde so auf andere interessante Boards und Leute aufmerksam. Und natürlich können Boards auch kollaborativ gestaltet werden. (Was ärgerlicherweise bei scoop.it nicht ging). Und auch wenn ich nicht an einem Board beteiligt bin, kann ich Learnings vorschlagen.

Neben dem informellen Selbstlernen bieten sich auch für den Unterricht und in der Bildungsarbeit einige Einsatzszenarien an. An erster Stelle steht die Organisation von Lernmaterialien inklusive dazugehöriger Kommentare alleine oder gemeinsam mit KollegInnen, entweder zur Einarbeitung in den Unterrichtsstoff oder als nachträgliche Dokumentation von Lerninhalten. Spannend wird es insbesondere, wenn SchülerInnen aufgefordert werden, eigene thematische Lernboards anzulegen. Das Lernboard kann damit auch eine attraktive Alternative zur Powerpoint-Präsentation sein.

Ein paar Nachteile sehe ich noch: Bisher können keine privaten Boards angelegt werden und die Anmeldung muss zwangsweise über Facebook passieren.

Und dieser Hinweis darf natürlich auch nicht fehlen: genauso wie Pinterest ist Learnist kein Dienst, der in Deutschland angesiedelt werden könnte, denn da ist das deutsche Urheberrecht vor, schließlich werden Bilder aus dem Netz auf die eigenen Boards übernommen.

Mein Profil bei Learnist

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Bildungsreform: Auf dem Weg zu den Sternen

Bildungspolitiker jammern ja gerne über die vielen Anfragen nach neuen Schulfächern. Eines hat es nun doch geschafft und Thüringen damit in der Bildungsdebatte ganz nach vorne katapultiert: Astronomie ist nun verbindliches Fach in der 10. Klasse der Thüringer Gymnasien. Jetzt frage ich mich, ob die Entscheidung auf der Besorgnis beruhte, dass sich Thüringer Schüler demnächst auf ihrem Raumflug zwischen Alpha Zentauri und Andromeda verfliegen könnten oder doch auf adoleszenten Traumata von romantischen Dates unter klarem Sternenhimmel beruht, bei denen man dann seinem Liebsten/seiner Liebsten nicht einen einzigen Stern benennen konnte.

Vielleicht wäre es aber doch besser gewesen, Astronomie als Querschnittsaufgabe zu definieren, schließlich spielen die Sterne nicht nur in Physik und Chemie eine entscheidende Rolle, sondern auch in Geschichte (und zwar gleich in der ersten Stunde), Literatur, Religion und natürlich Kunst. Aber vielleicht hat man hier auch einfach aus den Erfahrungen mit Medienbildung gelernt, die, einmal als Querschnittsaufgabe definiert, in der Schule nun von einem Fach zum anderen geschoben wird und doch nirgends wirklich ankommt. Aber das ist eine andere Geschichte….  Ich plädiere nun jedenfalls für den ersten deutschen Weltraumbahnhof auf Thüringer Boden.