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Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016

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Am 18. September 2016 wird nach fünf Jahren das Abgeordnetenhaus in Berlin neu gewählt. Es wird also Zeit, sich mal in die Wahlprogramme der Parteien einzulesen und nach relevanten Aussagen zur Medienbildung zu suchen. Das hatte ich bereits 2011 gemacht. Im Nachhinein muss ich erschreckt feststellen, wie gering der Stellenwert der Medienbildung damals noch bei einigen Parteien war. So lässt sich nun aber auch überprüfen, was aus den damaligen Versprechen der Parteien geworden ist. Fairerweise geht das natürlich nur bei den Regierungsparteien CDU und SPD:

Wahlprogramme 2011 – Cybermobbing einen Riegel vorschieben

Die CDU konnte nicht viel falsch machen, hatte sie doch 2011 lediglich eine Idee zur Medienbildung im Wahlprogramm:
„Dem Phänomen des Mobbing im Internet (häufig als „Cyber-Mobbing“ bezeichnet) schnellstmöglich ein Riegel“ vorschieben – wurde nicht so wirklich umgesetzt.

Auch die SPD glänzte 2011 nicht unbedingt mit originellen Ideen:

  • „Um die Ausstattung der Schulen mit Computern zur bedarfsgerechten Medienbildung zu verbessern, bauen wir die Kooperation mit Privaten aus.“ War da was?
  • „Wir werden die Anzahl der Kooperationsvereinbarungen zwischen den Schulen und den Bibliotheken zur Leseförderung und zum Erwerb von Medienkompetenz erhöhen, indem wir die Rahmenbedingungen verbessern.“ Ist mir auch nicht bekannt geworden.
  • Immerhin: „Medienkompetenz und kulturelle Bildung und die damit einhergehende Entwicklung sozialer und kreativer Kompetenzen sollen an den Schulen stärkeres Gewicht erhalten.“, ist zumindest in die neuen Rahmenlehrpläne in Form des Basiscurriculum Medienbildung eingeflossen. Welche Unterstützung die Schulen bis zum Inkrafttreten zum Schuljahr 2017/18 zur Implementierung bekommen, scheint aber noch nicht klar zu sein.

 

Medienkompetenzförderung in Berlin – ein Trauerspiel

Wer mir bei Twitter oder Facebook folgt und auch meine Arbeit im Vorstand der LAG Medienarbeit kennt, weiß, dass ich mit der Medienkompetenzförderung der Berliner Bildungsverwaltung in den letzten Jahren nicht besonders glücklich war. Und dies vor allem aus der Perspektive, dass Berlin vor 10-15 Jahren schon mal eine fast eine Vorreiterrolle in Deutschland hatte: mit gemeinsam erarbeiteten Standards für Medienbildung in der Jugendarbeit, mit der Berliner Mailbox Spinnenwerk und zahlreichen Fachtagungen, in denen bereits frühzeitig Medienthemen pädagogisch bearbeitet wurden.

Seitdem herrscht von Seiten der Jugendarbeit eher Stagnation in Form des Programms jugendnetz-berlin.de. Seit Jahren werden hier die bezirklichen Medienkompetenzzentren mit der immer gleichen Summe von 5000 Euro jährlich (!) am Leben erhaltengefördert. Andere Förderprogramme wie „StepsIntoFuture“, bei dem unkompliziert Medienprojekte für 500 Euro beantragt werden konnten und auch die Förderung berlinweiter, vernetzter Projekte wurden weitestgehend eingestellt. Stattdessen setzt die Bildungssenatorin gegen zahlreiche Expertenwarnungen seit 2015 auf ein eigenes Berliner Jugendportal, das 200.000 Euro im Jahr verschlingt und nach Projekthalbzeit absehbar keine besondere Relevanz entfaltet.

Auch auf Schulseite sieht es in Berlin nicht besser aus, sofern dort überhaupt ein Einblick zu erhalten ist, denn selbst der Abgeordnete Thomas Birk von Bündnis 90/Die Grünen erhält 2014 auf eine Anfrage die Antwort, Auskünfte an Außenstehende erteilt die Pressestelle der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Und entsprechend sehen dann auch die Webseiten der Senatsverwaltung zum Thema Schule und Medienbildung aus.

Auf der Senatswebseite zum Thema „Unterrichten mit Medien“ wird nicht einmal der immer wieder beschworene eEducation-Masterplan genannt oder verlinkt. Die neuesten Infos beziehen sich hier auf Open Educational Ressourcen (OER), bestehen aber lediglich auf einer Begriffsdefinition.

Auf der Webseite des Lernraum Berlins, einem berlinweiten Moodle für Schulen (durchschnittliche Logins pro Tag 2014: 1272, bei über 300.000 Berliner SchülerInnen), werden dann auch konsequent die Ziele des eEducation-Masterplan von 2005 zitiert.

Google findet ihn dann doch noch, den eEducation-Masterplan: http://masterplan.be.schule.de/ mit dem letzten Zwischenbericht von 2009. Hier finden sich immerhin die seit 10 Jahren bestehenden Teilprojekte: Roberta mit immerhin 50 teilnehmenden Schulen, das Internetseepferdchen (Berliner Internetführerschein) und eTwinning, das zumindest laut Webseite ein lebendiges Projekt zu sein scheint. Als neues Projekt in den letzten Jahren ist dort „MYOP – make your own product“ dazugekommen: 2013 erhielten zwei der 700 Berliner Schulen einen 3D Drucker und einen 3D Scanner. Da wundert es auch gar nicht, wenn das aktuellste Projekt: „Second Hand IT für Berliner Schule“ heißt.

Die Opposition hat sich hingegen kurz vor Schluss mit dem Antrag „Berlins Zukunft sichern – jetzt Konzept für die Bildung mit digitalen Medien vorlegen“ ein Bienchen verdient.

 

Wahlprogramme 2016 – CDU favorisiert Apple

Aber ab 18. September kann ja nun alles anders werden. Immerhin ist damit zu rechnen, dass die bisherige Koalition aus CDU und SPD nicht fortgeführt werden kann.

Bei meiner diesjährigen Durchsicht der Wahlprogramme habe ich diesmal nur konkrete Umsetzungsvorschläge berücksichtigt. Medienbildung ganz allgemein finden inzwischen alle Parteien wichtig und toll.

In wechselnden Konstellationen finden sich bei allen Parteien gemeinsame Punkte:

  • die Förderung von frei lizenzierten Unterrichtsmaterialien (OER) (Ausnahme.: CDU)
  • Aus- und Fortbildung von Lehrkräften im „Digitalem Lernen“ (Ausnahme: SPD)
  • Die Förderung des Freifunk-Projekts (Ausnahme: SPD und CDU)
  • Zusätzliche Stellen für qualifiziertes Personal insbesondere für IT-Kräfte (Ausnahme: Bündnis 90/Die Grünen)

Einig sind sich alle neben der Weiterentwicklung von Schulen in der Stärkung außerschulischer Lernorte. Dies ist allerdings mit der Aufnahme der Verkehrsschulen, der Jugendkunstschulen und der Gartenarbeitsschulen ins Schulgesetz bereits verabschiedet worden. Nur die bezirklichen Medienkompetenzzentren wurden dabei vergessen. Bündnis 90/Die Grünen sind leider die einzigen, die das gerne ergänzen würden und die Medienkompetenzentren im Wahlprogramm explizit erwähnen.

Darüberhinaus haben die Parteien verschiedene weitere Ideen zur Medienkompetenzförderung entwickelt:

SPD

Dass sich mobile Geräte auch für die Bildung eignen, ist der Berliner SPD noch weitestgehend unbekannt. Hier wird beim bisherigen Kurs geblieben: Ziel ist es, jede Schule mit Whiteboards ausstatten, interessierte Schulen darüberhinaus mit Laptopklassen. Die SPD hat die Stärkung der Jugendarbeit in ihrer dezentralen Struktur und die Stärkung außerschulischer Lernorte im Wahlprogramm verankert, wie bereits beschrieben, leider ohne Medienzentren zu benennen. Informations- und Medienkompetenz wird als Aufgabe der Bibliotheken gesehen.
Man will außerdem die Aktivitäten im Land Berlin zur Steigerung der Medienkompetenz verstärken und eine „einheitliche Anlaufstelle“ schaffen. (Was immer das auch heißen soll, vielleicht eine Medienkompetenz-Hotline?) Der bisher nicht zustande Kooperationsvertrag mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, den es in Brandenburg seit einigen Jahren gibt, soll nun wohl doch angegangen werden. Im Wahlprogramm heißt es dazu: „Die Aktivitäten sollen mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg verzahnt werde.“ Und natürlich droht uns mit der SPD „der Ausbau des neuen Jugendportals“.

CDU

Leider ein bisschen zu spät, denn die neuen Rahmenlehrpläne wurden ja gerade (unter CDU/SPD) beschlossen, spricht sich die CDU für „Fachteams zur Überprüfung der Lehrinhalte und Erarbeitung digitaler Möglichkeiten des Wissenserwerbs“ aus. Lernstoffe sollen in Form von Apps die Schulöffentlichkeit erreichen. Gefordert wird eine Schule 4.0 mit WLAN, Whiteboards, Tablets und IT Experten vor Ort. Erstaunlicherweise offenbart der Finanzierungsvorschlag für neue Laptopklassen eine klare Präferenz für Apple, denn „Zur Finanzierung könnten Schulen z.B. dem erfolgreichen Vorbild der Friedrich-Bergius-Schule folgen, die in dieser Frage mit Apple zusammenarbeitet.“ Die Grundlagen des Programmierens sollen altersgerecht erlernt werden. Aus dem Vorschlag einer „einheitlichen Anlaufstelle“ wird bei der CDU die Gründung eines Fachreferats Digitale Bildung bei der Senatsverwaltung.

Bündnis 90/Die Grünen

Eine zentrale Stelle möchten auch Bündnis 90/Die Grünen, hier wird daraus eine „Koordinierungsstelle im Senat zur Steuerung des digitalen Aufbruchs“. Zusätzlich haben Bündnis 90/Die Grünen den begonnen Versuch der LAG Medienarbeit aufgegriffen und möchten einen Runden Tisch Medienbildung unter Leitung des Senats einführen. Programmieren soll in der Schule vermittelt werden, ebenso wie mehr Informationen zu Cybermobing und Gewalt im Netz. Der Informatikunterricht soll durch ethische, datenschutzrechtliche und soziale Fragen weiterentwickelt werden und dies auch mit Angeboten in der Grundschule. Ergänzt werden soll die Medienbildung um die Unterstützung von Eltern durch Angebote der Selbstregulation, Aufklärungs- und Informationskampagnen zu Gewalt im Netz und der Sensibilisierung für Datenschutz.

Die Linke

Als einzige der Partien hat sich Die Linke Gedanken gemacht, wie auch bundespolitisch Medienkompetenz gefördert wird und regt ein Bund-Länder-Programm für digitale Bildung mit Förderung eines mobilen Geräts pro Kind an. Ebenso wie die Abschaffung des Kooperationsverbots. Versprochen wird ein Wettbewerb und die Förderung für Mädchen und Frauen zum Erlernen und kreativen Nutzen von Programmiersprachen und Onlinetechnologien.

Piraten

Die Piraten haben leider nicht mehr viel neues Innovatives beizutragen. Neben den zusätzlichen IT Experten (bei den Piraten „Medienwarte“ gennant“) geht es vor allem um kostenlose Schulungen in Bedienkompetenzen für alle und der Einführung eines Fachs „Medienkompetenz“.

 

Kampagne „Medienbildung jetzt“

Wer sich weitere Inspirationen für den Wahlzettel holen will, sollte noch die Kampagne „Medienbildung jetzt“ beachten. Im Rahmen dieser gemeinsamen Kampagne der GMK Landesgruppe Berlin-Brandenburg und der LAG Medienbildung gab es neben veröffentlichten Wahlprüfsteinen und Fragen an die Parteien am 29.6.16 eine spannende Veranstaltung mit VertreterInnen von SPD, Grünen, Linken und den Piraten. Die CDU blieb sowohl der Veranstaltung fern, als auch die Übersendung der Fragen zu den Wahlprüfsteinen schuldig.

Auf der Kampagnenwebseite findet sich eine Transkription der Gesprächsrunde, die deutlich macht, wo die Medienkompetenzen bei den PolitikerInnen liegen: deutlich bei der bisherigen Opposition und nicht der SPD. Und hier wurde dann auch konstatiert, dass gerade bei der Lehrerausbildung Defizite bestehen und Nachbesserungsbedarf. Und auch auf die Situation der LehrerInnen an den Schulen wird sehr differenziert eingegangen. Während der Vertreter der SPD betont, dass LehrerInnen bei ausreichender Bereitschaft auch genügend Möglichkeiten haben, sich fortzubilden, sehen die VertreterInnen der Opposition die Notwendigkeit, die Arbeitszeiten der LehrerInnen zu verändern, um mehr Räume für innovative Unterrichtsmethoden zu schaffen und auch die Lehrpläne von einigen Inhalte zu entlasten. Einig waren sich zumindest hier alle Beteiligten, dass es sinnvoll ist, die Expertise möglichst vieler Akteure einzubeziehen, ob das nun in Form eines Runden Tischs oder eines vom SPD Vertreter vorgeschlagenen Beirats passiert, ist dann Sache der Koalitionsverhandlungen.

Disclaimer: Als Vorstand und Projektleiter der LAG Medienarbeit bin ich direkt durch die Kürzungen der Mittel für vernetzte Projekte betroffen und deshalb weder objektiv noch unparteiisch. Korrekturen, Kritik und Anmerkungen nehme ich gerne entgegen, per Mail oder in den Kommentaren.

Hier geht es dann zum Update in 2021: Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2021

Medienkompetenzförderung in den Wahlprogrammen der Parteien zur Berliner Abgeordnetenhauswahl

Kein Beitrag zur Post-Privacy-Diskussion im Berliner Wahlkampf

Zur Vorbereitung der Veranstaltung „Keine Bildung ohne Medien in Berlin“ der LAG Medienarbeit und der GMK Regionalgruppe am 24.8. habe ich mal aus den Wahlprogrammen der wichtigsten Berliner Parteien alles rausgefiltert, was mit Medienbildung zu tun hat. Und da das macnhmal nicht so viel war, gleich auch noch nach dem Stichwort „Internet“ gesucht.

Für die BerlinerInnen unter euch vielleicht ganz interessant. Ich gebe keine Garantie für die Vollständigkeit. Ergänzungen gerne in den Kommentaren.

Zwecks Übersichtlichkeit habe ich zwei Sachen rausgenommen, die (fast) alle Parteien wollen: 1. eine verbesserte Kommunikation der Verwaltung mit den BürgerInnen (eGovernment) und 2. ein kostenloses WLAN für Berlin (außer: FDP). Was allerdings nicht heißt, dass das nach den Wahlen selbstverständlich kommen wird, denn die Umsetzungsvorschläge unterscheiden sich doch deutlich.

Aus allem anderen könnt ihr selber eure Schlüsse ziehen:

Zitate aus den Berliner Wahlprogrammen 2011

Grüne

„Medienpädagogik wird im digitalen Zeitalter immer wichtiger. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg sollte sich daher verstärkt bemühen, die Medienkompetenz junger Menschen zu fördern. Dazu gehört auch der Offene Kanal, ALEX.“

„Den Umgang mit neuen Medien wollen wir aktiv fördern, damit er in allen Bildungsbereichen selbstverständlich wird. Digitale Teilhabe bedeutet nicht nur, dass jede und jeder an der Digitalisierung teilhaben kann, sondern dass auch staatliche Institutionen von diesem Fortschritt profitieren können.“

„Bündnis 90/Die Grünen Berlin werden sich aktiv für eine umfassende Modernisierung des Datenschutzrechts, für eine transparente Verwaltung und Gesetzgebung, für das Recht von Hartz-IV-Empfängern auf die Wahl zwischen Fernseher und Computer mit Internetanschluss, für einen zeitgemäßen Jugendmedienschutz und für eine umfassende Reform des Urheberrechts einsetzen, die NutzerInnen und Kreative gleichermaßen schützt.„

„Wenn gesellschaftliche Teilhabe immer mehr über neue Medien gewährleistet wird, dann müssen wir auch die Medienkompetenz von Älteren stärken.“

Internet:

„Medien sind Teil unseres Alltages und unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Eine aktive und gute Medien- und Netzpolitik ist deshalb für den Zukunftsstandort Berlin von großer Bedeutung. Dazu gehören eine funktionierende Medienaufsicht, die demokratische Kontrolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eine zeitgemäße Politik für die Chancen und Herausforderungen, die Internet und Digitalisierung mit sich bringen.“

„Die Initiative „dotberlin“, die sich für die Einführung einer eigenen Top-Level-Domain „Berlin“ einsetzt, benötigt die volle Unterstützung durch den Berliner Senat, um ihrer Rolle als Repräsentant Berlins in den Gremien der ICANN („Internetregierung“) besser nachkommen zu können und den Standort dort besser darzustellen.„

CDU

„Insbesondere dem Phänomen des Mobbing im Internet (häufig als „Cyber-Mobbing“ bezeichnet) muss schnellstmöglich ein Riegel vorgeschoben werden. Die CDU unterstützt die Aktion verschiedener Schüler, mit der diese eine Mobbingseite im Internet durch das massenweise Einstellen harmloser Texte praktisch unlesbar machen möchten.“

Internet:

„Wir setzen uns nachhaltig bei allen relevanten Stellen dafür ein, dass die Top-Level-Domain .berlin nicht in die Hände ausländischer Privatinvestoren fällt, sondern den Bürgern und der Wirtschaft Berlins zugute kommt.„

SPD

„Wir fördern die Auseinandersetzung mit dem Internet bereits in der Schule. Jedes Kind soll schon in der Schule lernen: „Meine Daten gehören mir.“ Die Rahmenlehrpläne müssen sicherstellen, dass Kindern Chancen und Gefahren im Netz hinreichend vermittelt werden. Um die Ausstattung der Schulen mit Computern zur bedarfsgerechten Medienbildung zu verbessern, bauen wir die Kooperation mit Privaten aus.„

„Medienkompetenz und kulturelle Bildung und die damit einhergehende Entwicklung sozialer und kreativer Kompetenzen sollen an den Schulen stärkeres Gewicht erhalten. Dabei erlernen Kinder und Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang miteinander und setzen sich kritisch mit unterschiedlichen medialen Angeboten auseinander.“

„Wir werden die Anzahl der Kooperationsvereinbarungen zwischen den Schulen und den Bibliotheken zur Leseförderung und zum Erwerb von Medienkompetenz erhöhen, indem wir die Rahmenbedingungen verbessern.“

Internet:

„Eine moderne Netz- und Medienpolitik ist für die digitale Zukunft Berlins eine unverzichtbare Voraussetzung. Unsere Politik richtet sich auf die Stärkung der Freiheitsrechte und den Schutz der persönlichen Daten im Internet. Wir wollen eine Teilhabe aller an den Neuen Medien und wenden uns gegen die drohende informationelle Spaltung der Gesellschaft.“

„Der Schutz des geistigen Eigentums von künstlerisch oder wissenschaftlich tätigen Urhebern steht in der digitalen Welt vor völlig neuen Herausforderungen. Die SPD sieht sich als Anwalt aller schöpferisch und kreativ Tätigen. Die SPD will deshalb ein modernes Urheberrecht, das einen gerechten Ausgleich zwischen den Interessen der Verwerter und Konsumenten schafft.“

„Die Netzneutralität muss gewährleistet sein: Wenn nötig, werden wir eine Bundesratsinitiative starten, um sie rechtlich abzusichern.“

„Ü?berdies lehnt die SPD Online-Durchsuchungen im Land Berlin ab.“

„Wenn Firmen über einen längeren Zeitraum persönliche Daten sammeln, sollen diese den Betroffenen im Rahmen eines Datenbriefs jährlich einmal mitgeteilt werden. Daten müssen nach einer Ablauffrist gelöscht werden.“

Die Linke

„Wissen über Nachhaltigkeit muss ebenso vermittelt werden wie Kompetenz im Umgang mit neuen Medien.“

„Um die digitale und soziale Spaltung der Stadt zu verhindern, wollen wir umfassende Bildungsangebote unabhängig von sozialem Milieu, Alter oder Herkunft fördern.“

Internet

„DIE LINKE strebt ein »gläsernes Rathaus« für Berlin und seine Bezirke an, in dem Verwaltungshandeln und die Kommunal- und Landespolitik transparent und nachvollziehbar werden. Live-Übertragungen von Abgeordnetenhaus- und Bezirksverordnetensitzungen im Internet sind dafür eine Möglichkeit, die wir anstreben.“

„DIE LINKE will die Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen ausbauen und setzt dabei auch auf E-Petitionen auf Landes- und Bezirksebene sowie die Möglichkeit, Volks- und Bürgerbegehren online durchzuführen.“

Piraten

„Wir setzen uns für kostenfreie, durch das Land Berlin geförderte Schulungsmöglichkeiten für alle interessierten Berliner und Gäste ein, die die Möglichkeit bieten, die digitale Spaltung hinsichtlich der Bedienkompetenzen zu überwinden. Wir werden in Zusammenarbeit mit öffentlichen und gemeinnützigen Trägern sowie gemeinnützigen Vereinen flächendeckende Schulungsmöglichkeiten schaffen.“

„Den Einsatz von Filtersoftware und anderen Einschränkungen öffentlicher Inhalte lehnen wir daher ab. Vorgaben und Regelungen, die zur Einschränkung der Verfügbarkeit von andernfalls frei zugänglichen Inhalten führen, müssen ebenso abgelehnt und aufgehoben werden. Stattdessen müssen an öffentlichen Bildungseinrichtungen durch die Träger die Voraussetzungen und die Infrastruktur geschaffen und ausgebaut werden, die für einen freien und gleichberechtigten Zugang zu Inhalten und für die Erstellung neuer Inhalte im Rahmen des Bildungsauftrags notwendig sind. Filter sind kein vernünftiges Mittel des Jugendschutzes, weshalb das Grundgesetz Art 5 Abs 2, also die Einschränkung der Meinungsfreiheit keine Anwendung finden kann.“

„Die Ausstattung mit digitalen Arbeitsmitteln und ein Internetzugang für alle Lernenden ist eine Voraussetzung für den Zugang zur Informations- und Wissensgesellschaft und einer aktiven Teilhabe an dieser. Das erhebliche Ungleichgewicht zugunsten der papiergebundenen und nicht-netzwerkfähigen Bereitstellung von Lernmitteln ist historisch bedingt und stellt eine Momentaufnahme der aktuellen Entwicklung dar. Wir werden dieses Verhältnis ändern.“

„Unterrichtsmaterial wird unter einer freien Lizenz zugänglich gemacht. Dies vereinfacht den Lehrkräften die Erarbeitung von eigenen Unterrichtsmaterialien. Die Erstellung frei verwendbarer Materialien durch Lernende, Lehrende und andere wird durch das Land gefördert. Die Piratenpartei setzt sich dafür ein, die Medienkompetenzen bei Entscheidungsträgern, Lehrkräften und Lernenden zu schaffen, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden.“

Internet

„Wir streben die Schaffung einer Online-Demokratieplattform an. Damit ist ein System gemeint, in dem alle Bürger die Möglichkeit haben, gemeinsam politische Entscheidungen zu treffen. Die Ergebnisse sollen zunächst in Volks- bzw. Bürgerentscheiden münden, in denen sie als verbindlich bestätigt werden.“

„Wir werden ein Online-Portal ins Leben rufen, das Berliner Politik und Verwaltung auf allen Ebenen transparent werden lässt. Jede Entscheidung ist in dem Bewusstsein zu treffen, dass diese Jahrzehnte später von jedem nachvollzogen werden kann. Politik ohne Gedächtnis ist eine Einladung zu Misswirtschaft und Korruption.“

„Wir werden die Berliner Verwaltung und Politik nach den Prinzipien von OpenGovernment umgestalten, um direkte demokratische Mitbestimmung sowie eine aktive Informationspolitik zu gewährleisten.“

„Die PIRATEN Berlin setzen sich für einen freien Zugang zu Wissen und digitalen Informationen ein.“

FDP

„Unsere Bildungspolitik stellt die Vermittlung von Kompetenzen in den Vordergrund. Neben den klassischen Schulfächern ist dabei verstärkt auch auf bisher vernachlässigte Wirtschafts- und Medienkompetenzen hinzuarbeiten.“

„Medienkompetenz wollen wir bereits frühzeitig in der Schule vermitteln, so dass Kinder und Jugendliche mögliche Konsequenzen freiwillig verbreiteter Daten insbesondere bei der Nutzung des Internets selbst einschätzen können.“

„Wir müssen die Kompetenz aller Bürger, vom Schüler bis zum Senioren, im Umgang mit den verschiedenen Medienformen durch Bildungs- und Fortbildungsangebote stärken.“

Internet

„Ein freier Zugang zum Internet ist unverzichtbar, um jedem Bürger gleiche Kommunikations- und Zukunftschancen zu eröffnen.“

 

Dann wünsche ich viel Erfolg beim Wählen am 18. September!

 

Wie Berliner Schulen digitale Medien einsetzen

Der im Frühjahr 2010 erschienene 3. Berliner Innovationsatlas Schule gewährt einen interessanten Einblick in die Arbeit mit digitalen Medien in den Berliner Schulen. Der von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung herausgegebene Innovationsatlas enthält die Berichte von 114 Berliner Schulen (von insgesamt ca. 700), die sich für das Schuljahr 2007/2008 als eEducation Masterplan-Schulen beworben und daraufhin mit 16 bzw. 31 Notebooks je Schule ausgestattet wurden. Zusätzlich zu den Notebooks erhalten die Masterplan-Schulen die Möglichkeit an Lehrerfortbildungen teilzunehmen und müssen sich an einem der drei folgenden Projekte beteiligen: Roberta (Konstruktion von Lego-Mindstormrobotern durch Mädchen), eTwinning (europäische Schulpartnerschaften) oder INTEL Lehren (Online-Plattform für Lehrer).

Da ich es bis heute immer noch nicht geschafft habe, den 350 Seiten starken Innovationsatlas komplett zu lesen, habe ich zunächst mal eine unkonventionelle Auswertung der Berichte anhand einer Wordcloud und der Suchfunktion des Acrobat Readers vorgenommen.

Die aus dem Innovationsatlas erstellte Wordcloud zeigt auf den ersten Blick nichts außergewöhnliches: Alles dreht sich um Schule und Notebooks. Internet sucht man allerdings vergebens, einzig eMail und Online weisen daraufhin, dass es hier auch um Instrumente geht, die 98% der SchülerInnen bereits nutzen. Immerhin wird sichtbar, dass die Notebooks in einer ganzen Reihe von Fächern zum Einsatz kommen und nicht auf den ITG-Unterricht beschränkt bleiben.

Um Innovatives zu Tage zu fördern, bietet sich ansonsten noch die Suchfunktion im PDF-Dokument an. Auch wenn die Projekt bereits 2-3 Jahre alt sind, verwundert sehr, dass die aktuellen Internetdienste so gut wie gar nicht im Unterricht vorkommen: Google findet sich ganze zweimal im Dokument, einmal als Google Sketchup und einmal als Google Earth, Wikipedia ebenfalls zweimal, soziale Netzwerke tauchen gar nicht auf: Facebook, schülerVZ, Jappy Fehlanzeige! Chat kommt immerhin in sechs Schulen zum Einsatz. Auch die damit verbundenen medienpädagogischen Stichwörter: Datenschutz und Privatsphäre tauchen jeweils nur einmal auf. Es wäre wohl verwegen zu behaupten, dass der in einem Bericht vorkommende Satz: „Der Umgang mit den Gefahren, Viren, schädlichen Programmen, Datensicherheit und das Schützen der Privatsphäre werden ebenso vertieft, wie das Erstellen und Formatieren von Texten und kleinen Präsentationen“ schon so selbstverständlich ist, dass er ansonsten in keinem der Berichte auftaucht.

Und so zeigt der Überblick erstmal, dass es wohl noch ein langer Weg für die Schulen ist, bevor die Akzeptanz der digitalen Medien als Lerninstrumente und Lerninhalte, ähnlich hoch ist, wie die der gedruckten Medien. Ungeachtet dessen finden sich natürlich in einzelnen Berichten hervorragende Beispiel für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht. Es wäre zu wünschen, dass sich viel mehr Schulen daran orientieren.

Die Einschätzung der Projektleitung kann mehrdeutig verstanden werden. Zitat: „Nach vier Jahren Laufzeit kann festgestellt werden, dass der „eEducation Berlin Masterplan“ das Potenzial birgt, das gesteckte Ziel „Berliner Schule 2.0“ innerhalb eines überschaubaren Zeitraums zu erreichen.“ Ein „Potenzial“, das wohl eventuell erst noch geborgen werden muss und ein „überschaubarer Zeitraum“, unter dem zwischen einem und hundert Jahren wohl alles verstanden werden kann. Schließlich findet sich weder im Innovationsatlas noch auf den Webseiten der Senatsverwaltung etwas dazu, wie eine „Berliner Schule 2.0“ aussehen soll. Eine Suche im Web ergibt lediglich, dass wir wohl anscheinend auf dem richtigen Weg dorthin sind.

Wer sich selber ein Bild davon machen will, kann sich den Innovationsatlas als PDF unter http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/eeducation/innovationsatlas.pdf?download.html herunterladen.

Die Berichte von 53 weiteren Schulen, die im Schuljahr 200/2009 teilgenommen haben, werden im Herbst 2010 veröffentlicht.

Hinweise in den Kommentaren auf interessante Berichte im Innovationsatlas sind sehr willkommen.

Fachtagung „Datenstreu und Netznomaden“ am 21. Mai 2008 in Berlin

Das „neue“ Internet, das web 2.0, zeichnet sich durch seine Benutzerfreundlichkeit aus: normale UserInnen werden zu GestalterInnen, es entstehen Seiten, die private Einblicke erlauben, unbekannte Bands haben die
Chance berühmt zu werden, jeder kann sich darstellen.

Die Nutzung des web 2.0 ist ein Teil des digitalen Alltags von Jugendlichen. Wir möchten die Möglichkeiten für die Medienpädagogik in Workshops sowie in einer moderierten Podiumsdiskussion vertiefen.

Referenten sind:
– Sascha Neurohr, SchülerVZ
– Frank Rosengart, Chaos Computer Club
– Wolfgang Schindler, Studienzentrum Josefstal
– Thomas Seidel, Lehrer und Online.Journalist

Download des Flyers mit weiteren Informationen und Anmeldung:
http://jugendserver.spinnenwerk.de/~lag-medien/Dateien/Datenstreu_Flyer.pdf
(880 kB)

Veranstalter: LAG Medienarbeit e.V. Berlin
c/o Verband für soz.-kulturelle Arbeit
Axel-Springer-Str. 40/41, 10969 Berlin

www.lagmedienarbeit.de