Das Ende der Meinungsforschungsinstitute

Warum noch Meinungsbefragungen machen, wenn die sozialen Netzwerke sowieso schon alles über uns wissen und dank kluger Algorithmen auch auswerten können?

Immer wieder bin ich in den letzten Monaten auf Meldungen gestoßen, die nicht nur die Jobs tausender Meinungsforscher bedrohen, sondern wahrscheinlich auch denen schlaflose Nächte bereiten, die glauben, dass nicht mehr der Mensch auf der nächsten Evaluationstufe stehen wird, sondern eine weltweit vernetzte Maschine.

Google Flu dürfte wohl bekannt sein: http://www.google.org/flutrends/de/#DE. Aufgrund der Google-Suchanfragen nach dem Wort „Grippe“ macht Google Grippeepedemien und die am stärksten betroffenen Orte sichtbar. Danach ist übrigens die sonst übliche Februargrippewelle in Deutschland in diesem Jahr ausgeblieben.

Vielleicht ein bisschen sehr platt: Facebook Peace: http://peace.facebook.com. Facebook zeigt auf einer Zeitachse Verbindungen an, die jeden Tag zwischen Freunden aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Religionen und verschiedenen politischen Ansichten, entstehen. Danach scheinen sich die Konflikte zwischen Indien und Pakistan zur Zeit etwas zu beruhigen.

Den USA Gross National Happiness Index unter http://apps.facebook.com/usa_gnh/, der alle positiven Begriffe zählt, die Facebooknutzer in ihren Statusupdate eingeben, gibt es leider noch nicht für Deutschland. Der zeigt allerdings nichts außergewöhnliches. An Feiertagen sind die Menschen glücklicher.

Bermerkenswerter ist da schon die am Valentinstag von Facebook veröffentlichte Analyse über den Zusammenhang zwischen Beziehungsstatus und Glück:

http://www.facebook.com/notes/facebook-data-team/relationships-and-happiness/304457453858. Nicht überraschend: Menschen in Beziehungen sind glücklicher; am glücklichsten, wenn sie verheiratet sind, was aber wohl eher damit zu tun hat, dass verheiratete Menschen durchschnittlich älter sind und die Zufriedenheit im Alter zunimmt. Interessanter ist die Feststellung, dass Menschen in „offenen Beziehungen“ eher unglücklich sind und zwar sogar unglücklicher als Verwitwete. Und festgestellt wird dann noch, dass Menschen, die bei Facebook ihren Beziehungsstatus nicht angeben um 50% mehr negativ eingestellt sind als alle anderen, also ein echter Grund, sich Sorgen zu machen, wenn jemand seinen Beziehungsstatus nicht veröffentlicht;-))

Wie lange wird es wohl dauern bis auf der Grundlage von Netzwerkdaten politische Entscheidungen getroffen werden und die Finanzierung der Schwangerenberatung von den Beziehungsstatus Updates bei Facebook abhängig gemacht wird?