More fun, more risk!

Bei der am 16./17.10. vom Hans-Bredow-Institut und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) veranstalteten europäischen Fachkonferenz „More fun, more risk?“ zu Jugendschutz und Computerspielen zeigte sich mir zunächst mal der hohe Stellenwert, der dem Thema zugewiesen wird: hochkarätiges Fachpublikum, Simultanübersetzung und ein luxuriöser Tagungsort mit dem Hotel Concorde am Kurfürstendamm in Berlin (Schade, dass Shrimpscocktails nicht so mein Ding sind). Achja: Der Track REcht+Regulierung war außerdem besser besucht als Wirkung+Kompetenz.

Ob sich der Aufwand gelohnt hat, ist schwer zu beurteilen. Viel Neues habe ich aus den vorgestellten Studien nicht erfahren. Ja, es besteht eine Korrelation zwischen aggressivem Verhalten und gewalthaltigen Spielen,… nur ist damit ja genau nicht gesagt, ob gewalthaltige Spiele aggressiv machen oder ob aggressive Jugendliche eher gewalthaltige Spiele spielen. Und genau in der Frage gibt es dann auch zwei Langzeituntersuchungen, die sich eben in diesem Punkt widersprechen.

Schön ist aber, wenn man durch Forscher dann genau das bestätigt kriegt, was man in der täglichen pädagogischen Praxis erlebt: Computerspiele werden umso interessanter für Kinder und Jugendliche, je höher die Alterseinstufung (USK oder PEGI) ist, die außen auf der Packung klebt! (Stichwort: Forbidden fruit theory, Peter Roelofsma, Free University of Amsterdam, NL)

Im Recht+Regulierungstrack ging es dann am ersten Tag auch eher noch darum, wie die Regelungen umgesetzt werden können, als darum, welche Inhalte wie bewertet werden können und das ist ja auch nicht so richtig einfach. Gutes Beispiel ist das Spiel „Defcon“ (Löst den ultimativen Atomkrieg aus!): USK 16, PEGI 7+.

In Deutschland gibt es dann erstmal grundsätzliches zu diskutieren: Wer ist für Onlinespiele zuständig? Die Computerspielregulierungsinitiativen oder die Netzkontroll und -empfehlungsinstanzen? Damit kann man sich doch auch erstmal die nächsten Jahre beschäftigen.

Fazit: Man müßte sich erstmal verständigen, welche Inhalte wirklich problematisch sind und unter welche EU Verordnung welches Medium genau fällt. Achja und eigentlich sind es ja sowieso die Eltern, die hier gefragt sind und da fehlen Forschungsergebnisse fast vollständig. Na dann mal an die Arbeit!

P.S.: Einen Linktipp habe ich noch mitgenommen: Commonsensemedia – Jugendliche, Eltern und sonstige ExpertInnen bewerten die Medien selber. Das dann allerdings außerhalb von Europa in den USA.

P.P.S.: Die X-Box ist übrigens sicher, wie der Vertreter von Microsoft versicherte, in den Familysettings kann die Onlinefunktion deaktiviert werden und ein Timer schaltet den Kinder das Teil nach einer von den Eltern definierten Zeit automatisch ab.